Veröffentlicht am: 11.04.2017 um 10:34 Uhr:

Sport: Läufer im Vollrausch

Viele Läufer berichten vom Runner′s High, einem rauschhaften Zustand, in den sie bei langen und intensiven Läufen kommen. Es ist noch nicht endgültig geklärt, was dafür verantwortlich ist, aber es gibt neue Vermutungen

» Wer kennt sie nicht, die Läufer, die vom sogenannten Runner′s High schwärmen, in dem ihnen harte Belastungen plötzlich ganz leicht vorkamen. In diesem Zustand werden Endorphine freigesetzt, die helfen, körperliche Anstrengung besser zu ertragen, so die jahrelange Vermutung der Wissenschaft. Erst letztes Jahr gelang es einer Gruppe deutscher Neurologen, die Endorphin-Ausschüttung im Kopf nachzuweisen. Arne Dietrich von der American University of Beirut ist jedoch überzeugt, das diese Erklärung nicht ausreicht. Er vermutet vielmehr, dass ein anderer natürlich-chemischer Stoff maßgeblich zu diesem Effeekt beiträgt: vom Körper selbst gebildetes Anandamid. Dieses dockt an dieselben Rezeptoren im Hirn an wie die Cannabinoide in Marihuana. Zudem ist Dietrich ein Verfechter der Hypofrontalitätstheorie: Danach muss das Gehirn beim Laufen mit dem Sauerstoff haushalten, der ihm zur Verfügung steht. Die Folge: Bestimmte Hirnareale bleiben aktiv, andere werden heruntergefahren. Dietrichs Studien zeigen, dass ein Teil des Zwischenhirns, nämlich der Bereich, der für die Steuerung der Laufmotorik zuständig ist, aktiv bleibt, während der präfrontale Cortex, der die Emotionen steuert, träger wird - was von vielen Menschen als angenehm und manchmal eben auch als High empfunden wird. «


Quelle: Runner′s World Februar 2015