Veröffentlicht am: 25.10.2017 um 10:38 Uhr:

Auto und Verkehr: Einfach Platz machen?

Eigentlich ist es gar nicht so schwer, eine Rettungsgasse frei zu halten. Einzig und allein, man müsste bei einem Stau daran denken, oder warum sieht man so selten eine Rettungsgasse? - Hier ein paar Informationen rund um diese lebensrettende und auch zeitsparende "Idee"...

» (dpa-mag). Auf der Autobahn rollen die Wagen dicht an dicht. Plötzlich stockt die Blechlawine: Stau. Muss jetzt ein Rettungswagen zum Unfall durch, kann es dauern. „Oft müssen sich Rettungskräfte ihren Weg erst erkämpfen”, sagt Thomas Buchheit vom Landespolizeipräsidium im niedersächsischen Innenministerium. „Solche Minuten sind mitunter entscheidend - die Rettungsgasse rettet Leben.”

Die Pflicht dazu regelt Paragraf 11 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO), erklärt Daniela Mielchen, Verkehrsrechtsanwältin aus Hamburg. Stockt der Verkehr auf Autobahnen und Außerortsstraßen mit mindestens zwei Spuren pro Richtung, müssen Fahrer für Polizei- und Hilfsfahrzeuge eine Gasse bilden.

Bei zwei Spuren bilden Fahrer die Gasse noch in der Mitte. Bei drei Streifen muss zwischen dem äußersten linken und dem mittleren Streifen eine Lücke bleiben. „Bei vier Spuren müsste man sie eigentlich nach noch gültigem Recht wieder in der Mitte bilden”, sagt Buchheit. Ab Anfang 2017 soll die Regelung vereinfacht werden: „Links fährt links, und alles andere fährt rechts”, erläutert Buchheit. [Anm.: Diese Regelung wurde 2017 genau so festgelegt.]

„Denn das ist schon heute gängige Praxis auch bei vierspurigen Straßen!” Daran schließe sich das Gesetz an, um Klarheit zu schaffen. Wie breit die Gasse sein muss, dafür gibt es keine rechtlichen Vorgaben. „Aber ein schweres Löschfahrzeug sollte schon durchfahren können", sagt Buchheit. Die Benutzung ist nur den Rettungskräften wie Polizei, Krankenwagen, Arzt- und Abschleppfahrzeugen vorbehalten, sagt Mielchen.

„Wer gegen das Gebot der Rettungsgasse verstößt, muss mit einem Bußgeld von mindestens 20 Euro rechnen.” Bei schwerwiegenden Behinderungen sei unter Umständen eine strafrechtliche Verfolgung denkbar.

„In Europa wird die Rettungsgasse in vielen Ländern genau wie in Deutschland gebildet”, sagt Andreas Holzel vom ADAC. In Österreich etwa müssen Autofahrer sie auf Autobahnen und Schnellstraßen mit mindestens zwei Spuren je Richtung bilden.

Bei zwei oder mehr Spuren gehen die Autofahrer auf der linken Spur so weit wie möglich nach links, die übrigen nach rechts.

Ansonsten ist mit bis zu 726 Euro Strafe zu rechnen. „Wenn dabei Einsatzfahrzeuge behindert werden, drohen sogar bis zu 2180 Euro”, sagt Hölzel. Der konkrete Betrag richte sich immer nach den Umständen des Einzelfalls.

In Frankreich und Spanien gibt es keine mit Deutschland vergleichbare Regelung. „Allerdings muss gewehrleistet sein, dass die Retter vorbeifahren können.” Ansonsten drohen in Spanien 200 Euro, in Frankreich in der Regel 135 Euro.

In Tschechien gilt eine Besonderheit: Bei zwei Spuren lassen die Autofahrer zwar auch eine Gasse in der Mitte frei. Bei mehreren muss sie allerdings zwischen dem mittleren und dem rechten Streifen entstehen.

Wer sich nicht dran hält, zahlt umgerechnet circa 90 Euro, wenn er sofort in die Tasche greift. Im regulären Bußgeldverfahren ist das Doppelte fällig. «


Quelle: Kölner Wochenspiegel vom 14. Dezember 2016