Veröffentlicht am: 20.11.2017 um 09:44 Uhr:

Auto und Verkehr: „Doppelt ärgerlich“

Jürgen Bengel, Psychologe, Universität Freiburg – der Professor und ehemalige Retter über untätige Zaungäste. Sein Rat: aktiv werden, statt rumstehen

» Sind wir alle Gaffer?
Nein, aber Beobachter. Droht Gefahr oder ändert sich etwas im Umfeld, orientieren wir uns instinktiv und schauen hin. Es wäre ungünstig, es nicht zu tun.

Wo beginnt dann das Gaffen?
Nach dieser ersten Orientierung. Wenn klar ist, dass keine Gefahr für mich selbst droht, fängt das Befriedigen der eigenen Sensationslust an. Das ist zu verurteilen – und zwar moralisch, aber auch, weil durchs Gaffen Rettungsarbeiten behindert werden.

Was bedeutet das für die Retter?
Ein doppeltes Ärgernis. Praktisch, weil Zufahrten zur Rettung der Opfer versperrt werden. Emotional, weil man als Retter hofft, dass in einer solchen Rettungssituation alle an einem Strang ziehen. Der Gaffer aber zieht nicht mit, er glotzt nur und behindert.

Kann man eine solche Situation ändern?
Ich war selbst im Rettungsdienst. Ein bewährtes Prinzip ist es, Schaulustigen eine Aufgabe zu geben. Das durchbricht das Nichtstun. Für Unfallzeugen oder Unbeteiligte heißt das: Werden Sie selber aktiv. Fordern Sie Umstehende zur Hilfe auf – 112 wählen, Unfallstelle sichern, mit Verletzten reden. Es gibt genug zu tun. «


Quelle: ADAC Motorwelt 5/2017