Veröffentlicht am: 18.11.2017 um 21:14 Uhr:

Fotografie: Bilderdiebe

Immer wieder werden Bilder im Internet "geklaut". Bereits 2015 hat sich Manfred Zollner in seiner Kolumne im fotoMAGAZIN dieses Themas angenommen...

» Irgendwie herrscht derzeit eine ausgeprägte Selbstbedienungsmentalität in dieser manchmal doch ziemlich fiesen Bilderwelt. Dies Erfahrung musste jetzt auch Magnum-Star Steve McCurry machen. Dessen langjährige Assistentin wurde Anfang Juni unter Diebstahlsverdacht im US-Bundestaat Pennsylvania verhaftet. Die 32-jährige managte McCurrys Fine-Art-Printverkäufe und soll zwischen Mai 2012 und November 2013 laut Anklage ohne dessen Wissen unter anderem 30 Prints limitierter Auflage im Wert von 628.000 Dollar gestohlen haben. Warum überhaupt noch selbst fotografieren, wenn ich mit den Aufnahmen guter Fotografen auch prima verdienen kann, und die das selbst bei solchen Summen nicht bemerken? Vorbilder für dieses Verhalten finden wir mittlerweile in höchsten Kunstkreisen. Dort nennt sich der planvolle Diebstahl Appropriation Art (die Kunst der Aneignung). Richard Prince ist ein von renommierten Auktionshäusern anerkannter Meister dieser Kunst. Für seine jüngste Ausstellung in der noblen Gagosian Gallery bediente er sich bei Instagram und verkaufte die im Web gesammelten Bilder zu 90.000 Dollar pro Abzug. Bevor Sie nun allzu großes Mitleid mit den jungen Damen bekommen, deren Bilder für Princes „New Portraits“-Ausstellung „angeeignet“ wurden: Zwei der vermeintlichen Urheberinnen der präsentierten Fotos erklärten bei Recherchen dem Wirtschaftsmagazin Business Insider, dass sie ihre Instagram-Bilder (unter anderem ein werbliches Schmuckfoto für einen Designer, das ein Model auf ihrem Instagram-Account gepostet hatte) nicht selbst fotografiert hatten. Offensichtlich haben auch sie unerlaubt diese Bilder gepostet. Die bislang cleverste Reaktion auf den Bilderklau kam von den sogenannten SuicideGirls, deren Motive Richard Prince klaute und jeweils mit einem kurzen Instagram-Kommentar ausstattete. Die Punk-Models und Burlesque-Tänzerinnen starteten blitzschnell und unter großer Medienaufmerksamkeit im Web eine Kampagne, bei der sie identische Fotoabzüge wie Prince für lediglich 90 Dollar verkaufen. Blöd, wer fortan ein Vielfaches dafür zahlt. Der Erlös dieser subversiven Konterattacke gegen die Kunstwelt soll übrigens dem Kampf für Copyright im Web zukommen. «


Quelle: fotoMAGAZIN 8/2015