Veröffentlicht am: 04.12.2017 um 09:19 Uhr:

Wirtschaft: Krautfunding

Bereits im fotoMAGAZIN 5/2013 schrieb Manfred Zollner folgendes in seiner Kolumne "Zollners Zeilen": "Wunderwaffe Crowdfunding? Nicht wirklich. Die webgestützte Projektfinanzierung wird künftig jedoch im Bildjournalismus Risiken auf die Fotografen übertragen"...

» Die deutsche Fotowelt entdeckt den virtuellen Klingelbeutel. In Zeiten schrumpfender Redaktionsbudgets soll die trendige Projektfinanzierung durch viele Kleinstbeiträge eine Lösung sein. Profifotografen finanzieren sich über Crowdfunding-Websites Reisen, Fotobildbände und Ausstellungen. Schon schwappt die Idee von englischsprachigen Websites wie Kickstarter und Emphas.is auf lokale, deutschsprachige Dienste über. Aus Crowdfunding wird deutsches „Krautfunding“. Damit einher geht noch weitgehend unkommentiert ein radikaler Strukturwandel in der Medienindustrie. Es ist doch praktisch, wenn die Zeitschriften künftig weniger Produktionsrisiken tragen. Das passt genau in unsere Zeit, in der allerortens die Redaktionsbudgets schrumpfen. Warum einen Fotografen auf eigene Kosten nach Lagos oder Syrien schicken, wenn man bereits ein fertiges, crowdfinanziertes Projekt kaufen kann und dabei unter dutzenden Bildgeschichten wählen darf? Das hat schließlich unschlagbare Vorteile: Die Webkampagne des Crowdfundings produziert die Publikumsbasis künftiger Lesen. Und falls die fertigen Bilder tatsächlich nichts taugen sollten, hat der Verlag kein Geld versenkt. Risiko? Zero!

Der Bittsteller mit dem leeren Geldsäckel bleibt also der Fotograf, der zudem das nicht geringe Risiko zu tragen hat, dass seine Reportageidee von Kollegen geklaut und andernorts kopiert wird, bevor die eigene Projektfinanzierung steht. Das nennt sich wohl Strukturwandel. Dabei schien der Gedanke doch so verlockend: Endlich Geldgeber finden, wenn Verlage kein Interesse zeigen – für ungemütliche Themen, für Randgruppenreportagen, für Stories, bei denen die Art Directoren sofort abwinken. In Wahrheit wir stets ein Polter-Rabauke wie Dieter Bohlen eher Supporter finden, als der stille Philosoph. Insbesondere im vergleichsweise jungen, kleinen deutschsprachigen Markt will die neue Mini-Community erst einmal überzeugt werden. Was passieren könnte, zeigt bereits der Fotobuchmarkt. Dort liegen heute hunderte Bildbände bleischwer in den Regalen, weil zwar die Buchfinanzierung (dank kühn investierter Eigenmittel der Fotografen) stimmte, es am Ende jedoch nicht genügend Interessenten für die Werke gibt. «


Quelle: fotoMAGAZIN 5/2013

Interessant finde ich dabei, dass sich bislang nicht wirklich viel getan hat. - Die Risiken liegen weiterhin bei den Fotografen und Journalisten und nicht mehr bei den Verlagen...