Veröffentlicht am: 23.05.2018 um 12:00 Uhr:

Fotografie: Sensor-Empfindlichkeit

Eckhart B. hat im fotoMAGAZIN 02/2013 folgende Frage an die Experten gerichtet: "Fast durchgängig haben Sensoren ihr Leistungsmaximum bei ISO 100. Die Abbildungsleistung fällt bei höheren Empfindlichkeiten ab. Ist das ein technischer Zufall, das dem gerade bei ISO 100 so ist? Oder legen die Hersteller ihre Sensoren bewusst so aus? Daher meine Frage: Könnten nicht auch Sensoren gebaut werden, die z.B. bei ISO 800 ihre Leistungsspitze haben, also wie beim Film für höhere Empfindlichkeiten ausgelegt sind? Oder umgekehrt gefragt: Stiege die Abbildungsleistung des Sensors, wenn man seine Empfindlichkeit herunterregeln könnte? Und warum bieten die Hersteller im semi- bis hochprofessionellen Bereich diese Option nicht an?

Antwort von Michael J. Hußmann - Fachjournalist, Buchautor und Experte für Digitalfotografie:

» Tatsächlich liegt die Grundempfindlichkeit der üblicherweise verbauten Sensoren zwischen ISO 50 und 200, wobei ISO 100 besonders häufig vertreten ist. Die Grundempfindlichkeit ergibt sich einerseits daraus, wie viele Elektronen das einfallende Licht in einem Sensorpixel freisetzt, und andererseits aus der Speicherkapazität für diese Elektronen. Je mehr Elektronen bei gleicher Helligkeit erzeugt werden, desto höher ist der ISO-Wert, dagegen ist der ISO-Wert um so geringer, je größer die Speicherkapazität für Elektronen ist. Da mit der Größe der Pixel sowohl die Zahl der erzeugten Elektronen als auch die Speicherkapazität wachsen und die Hersteller beide zu maximieren versuchen, haben sich diese Faktoren annähernd auf; daher weicht die Grundempfindlichkeit nie weit von ISO 100 ab.

Wenn man den ISO-Wert absenken wollte, könnte man die Mikrolinsen weglassen, sodass weniger Elektronen erzeugt würden, aber für die Bildqualität wäre damit nichts gewonnen. Umgekehrt könnte man den ISO-Wert steigern, indem man die Speicherkapazität für Elektronen verringert, aber darunter würden Dynamikumfang und Rauschabstand leiden. Mit Technologien wie dem sogenannten schwarzen Silizium konnte man den ISO-Wert ohne solche Nachteile steigern, müsste dann aber bei Tageslicht mit extrem kurzen Verschlusszeiten oder ND-Filtern arbeiten. So lange Sensoren mit einer Grundempfindlichkeit deutlich über oder unter ISO 100 keine eindeutigen Vorteile bieten, werden die Hersteller keinen Grund sehen, solche Sensoren zu entwickeln. «


Quelle: fotoMAGAZIN 02/2013

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