Veröffentlicht am: 16.07.2025 um 19:48 Uhr:

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Kölner Zoo: Statement Kölner Zoo zu eingeschläferten Jungtieren

Im Kölner Zoo sind Anfang vergangener Woche zwei Junge – ein männliches und ein weibliches – bei den Asiatischen Löwen geboren worden. Sie mussten allerdings eingeschläfert werden, da Mutter „Gina“ die Jungtiere auch nach mehreren Tagen nicht richtig angenommen und versorgt hat.


Asiatische Löwen im Kölner Zoo | Quelle: Kölner Zoo
» Der Zoo hatte nichts unversucht gelassen, um Mutter „Gina“ an die Jungtiere zu gewöhnen. So wurde „Gina“ von ihren älteren, im Januar 2024 geborenen Jungtieren getrennt, damit sie Ruhe für den neuen Wurf hat. Ebenso wurde die Situation in der Wurfbox beobachtet, veterinärmedizinische Expertise hinzugezogen und für absolute Ruhe gesorgt. Tatsächlich wurde zwischenzeitlich beobachtet, dass eines der neugeborenen Jungtiere Milch bei Mutter „Gina“ trinken konnte, was Hoffnung gab. Doch offensichtlich kümmerte sich „Gina“ nicht ausreichend.

„Gina“ wollte immer wieder zu ihren älteren Jungtieren, die mit 1,5 Jahren ebenfalls noch nicht selbstständig sind und noch einige Monate mütterliche Fürsorge benötigen.

„Gina“ handelte aus ihrer Sicht absolut rational, indem sie den fast ausgereiften Nachwuchs aus dem vergangenen Jahr bis zur kurz bevorstehenden kompletten Eigenständigkeit aufziehen will. Die Überlebenschancen des sehr früh geborenen jüngsten Wurfs waren von Anfang ausgesprochen gering.

Letztlich trafen wir dann, nach sorgfältigen Abwägungen aller zuständigen Biologen und auf Empfehlung des Zuchtbuchführers für Asiatische Löwen, sowie nach tiermedizinischer Indikation, die Entscheidung die bereits stark entkräfteten Jungtiere einzuschläfern, um ihnen unnötiges Leid zu ersparen.

Ebenfalls in enger Abstimmung mit dem Zuchtprogramm für Asiatische Löwen wurde bereits im Vorfeld gemeinsam entschieden, auf eine Handaufzucht der Löwenjungtiere zu verzichten, da dies zu einer Fehlprägung dieser Löwen auf Menschen führen würde.

Es ist evolutionär bedingt, dass eine Löwenmutter sich nur um die Jungtiere kümmert, die die größten Chancen haben, durchzukommen, also in dem Fall um die noch nicht unabhängigen, älteren Jungtiere.

Sobald zumindest zwei der drei älteren Jungtiere den Kölner Zoo im Herbst in andere Zoos zur Zucht dort verlassen haben, ist eine erneute Nachzucht durch Katze „Gina“ und Kater „Navin“ zu erwarten. Wir hoffen auf eine dann wieder erfolgreiche Aufzucht, wenn eine soziale Abnabelung stattgefunden hat.

In der Wildnis verlassen männliche Junglöwen die Mutter mit ca. 24 Monaten, junge Löwinnen verbleiben oft bei der Mutter im Rudel. In der Wildnis herrscht eine sehr hohe Sterblichkeit bei Würfen und Junglöwen im ersten Jahr. Es kommt durchschnittlich nur ein Wurf im Leben einer erwachsenen Löwin durch. Die Überlebenschancen von Würfen bei Löwen in Zoos sind insgesamt deutlich höher.

Daran anschließendes Statement vom 15. Juli 2025:

Zum Zoo und zur Katzenhaltung/Haltung Asiatische Löwen:

  • Der Kölner Zoo ist eine wissenschaftlich geführte Einrichtung. Wir arbeiten mit ausgebildetem Personal in der Tierpflege und Tierwohl steht bei uns an erster Stelle – daher waren wir 2024 auch der erste Zoo in Deutschland, der von der Tierschutzorganisation Global Humane eine Tierwohl-Akkreditierung erhalten hat. Er sit zudem seit 2024 auch der erste Zoo, der mit der Weltnaturschutzunion ein eigenes Artenschutzzentrum aufgebaut hat und unterhält.

  • Es gibt sehr gute Bestände von Groß- und Kleinkatzen in Zoologischen Gärten in der Welt. Sehr viele davon werden in entsprechenden Erhaltungszuchtprogrammen gemanagt, so auch Asiatische Löwen im Kölner Zoo.

  • Der zuständige Kurator Dr. Alex Sliwa ist Vorsitzender aller Katzenzuchtprogramme des Europäischen Zooverbands (EAZA) und Mitglied der Artkommission Asiatischer Löwe. Er ist ein Katzenspezialist, der gerade das Land NRW in Sachen Luchsauswilderung berät wie auch zu anderen Wiederansiedlungsprogramme seit Jahrzehnten berät.

  • Der Kölner Zoo kooperiert mit dem WWF und hat über das „Team Tiger Köln“, insgesamt rd. 500.000 € für diese bedrohte Tierart gesammelt. Der Kölner Zoo ist darüber hinaus auch für weitere Katzenprojekte tätig, so u.a. für die Erforschung und den Erhalt der Schwarzfußkatze.

  • Die Population der letzten Asiatischen Löwen ist erfreulicherweise sowohl in der Wildnis auf 600-1.000 Tiere wie auch im Erhaltungszuchtprogramm in europäischen Zoos langsam auf rd. 140 Tiere (16 Gründertiere) gestiegen.

  • Derzeit halten wir folgende Asiatische Löwen: „Gina“, 11 Jahre; „Navin“ 9 Jahre; Nachwuchs 2,1, geb. am 19. Jan. 2024 (18 Mon.)


Zur aktuellen Situation:

  • Wir sind transparent und haben daher auch proaktiv über das Einschläfern zweier Löwenjungtiere und die Hintergründe dazu berichtet.

  • Zitat: „Es ist für uns eine emotional belastende Entscheidung gewesen, für die Tierpflegerinnen und -pfleger, den Kurator, die Tierärztinnen und mich. Wir haben alles versucht und am Schluss hieß es für uns ganz klar alle unnötigen Schmerzen und Leiden zu vermeiden,“ sagt Prof. Theo B. Pagel, Direktor des Kölner Zoos.


Warum war „Gina“ erneut tragend?

  • Wir haben bei ihr nicht verhütet, da „Gina“ genetisch sehr wichtig ist und wieder züchten soll. Die Gabe von Kontrazeptiva (Verhütungsmittel) kann bei Ihr zu Unfruchtbarkeit (und anderen mögliche Gesundheitsschäden) führen.

  • Dass Junge geboren werden, wenn noch Junge aus dem vorherigen Wurf bei der Mutter sind, kann es bei Löwen auch in der Wildnis geben. Der Unterschied ist allerdings, dass es dann kein humanes Einschläfern der nicht angenommenen Jungtiere gegeben hätte.

  • Übrigens liegt die Sterblichkeit bei jungenLöwen in der Wildnis zwischen 50-80 %.


Macht Zucht bei Asiatischen Löwen überhaupt Sinn?

  • Ja, durch Zooarbeit sind wieder stabile Bestände entstanden, man kann eine Art nicht einfach aufgeben, das ist nicht unser Anspruch. Wir züchten auch nicht für Publikumsinteresse, sondern für international koordinierte Artenschutzarbeit, die wissenschaftlich kontrolliert wird. Dies macht man auch bei kleinen Ausgangspopulation Sinn. Es gibt erfolgreiche Beispiele dafür – so z.B. bei Wisenten, Przewalskipferden, Rosataube oder Mauritiusfalke.


Hätte man Katze und Kater nicht trennen können, um Fortpflanzung zu verhindern?

  • Nein, nicht dauerhaft, da Löwen im Rudel leben. Der Kater ist wichtig für die Erziehung der älteren Jungtiere und das Sozialgefüge.


Schlussendlich war es die Entscheidung des Individuums „Gina“ diesen Wurf nicht anzunehmen!

Warum erfolgte keine Handaufzucht?

  • Zoos haben den Anspruch, Tiere so natürlich und verhaltensgerecht wie möglich zu halten/aufzuziehen. Eine Handaufzucht kann zu Fehlprägungen führen. Es ist aber wichtig, dass die gehaltenen Asiatischen Löwen des Erhaltungszuchtprogramms wie ein „normale“ Löwen verhalten. Fehlgeprägte Tiere sind später in keine Löwengruppe zu integriert und werden sehr wahrscheinlich auch nicht züchten. Daher gibt es eine klare Vorgabe des Erhaltungszuchtprogramms für Asiatische Löwen keine Handaufzucht vorzunehmen.

  • Wir selbst hatten vor unserem Kater „Navin“ einen anderen Löwenmann, „Tejas“, der handaufgezogen war und nie mit „Gina“ gezüchtet hat.


Warum haben Sie die Jungtiere nicht an andere Zoos gegeben?

  • Die Tiere sind ohne biologische Mutter nicht überlebensfähig, ein Ammenprinzip hier nicht möglich. Auch andere Zoos praktizieren keine Handaufzucht bei dieser Art.
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Quelle: Pressemitteilung des Kölner Zoo vom 14. Juli 2025

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