Veröffentlicht am: 17.08.2025 um 13:23 Uhr:
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Köln: Neubenennung von Straßen
» In ihrer Sitzung am 8. September 2025 entscheidet die Bezirksvertretung Ehrenfeld darüber, ob die Gravenreuthstraße in Cilly-Servé-Straße und die Wißmannstraße in Fasia-Jansen-Straße umbenannt werden.
Die Bezirksvertretung Ehrenfeld hatte bereits in ihrer Sitzung am 27. November 2023 die grundsätzliche Umbenennung der beiden Straßen beschlossen. Basis hierfür war die Überprüfung der Straßennamen auf ihren Zusammenhang mit Verbrechen der deutschen Kolonialzeit oder des Nationalsozialismus. Ein von Oberbürgermeisterin Henriette Reker initiierter Historischer Beirat hatte eine Umbenennung beider Straßen empfohlen. Auch der von der Oberbürgermeisterin einberufene Expert*innen-Beirat zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit in Köln hatte sich für die Umbenennung dieser Straßen ausgesprochen.
Im Rahmen einer ersten Beteiligungsstufe in 2024 war die Öffentlichkeit aufgerufen, Namensvorschläge einzureichen. Aus der Vielzahl dieser Vorschläge wurde die Verwaltung von der Bezirksvertretung nach intensiver Auswertung beauftragt, jeweils sechs Namensvorschläge pro Straße öffentlich vorzustellen. Ziel war es, die Vorschläge einer breiten Öffentlichkeit zur Diskussion zu stellen. Die Namensvorschläge orientieren sich an Kriterien wie Bezug zu Ehrenfeld, Relevanz zum NS-Widerstand (Gravenreuthstraße) oder kolonialem Bezug beziehungsweise Bezug zum "Loft" (Wißmannstraße). Zusätzlich sollte es möglichst ein weiblicher Name sein.
Ein Arbeitskreis der Bezirksvertretung prüfte die Ergebnisse und entschied sich für Cilly Servé und Fasia Jansen, welche nunmehr für die Sitzung am 8. September 2025 vorgeschlagen wurden.
Cilly Servé zählte als Lebensgefährtin von Hans Steinbrück zur sogenannten "Ehrenfelder Gruppe" der Edelweißpiraten in Köln, einer aktiven Widerstandsgruppe zur Zeit des Nationalsozialismus. 13 Mitglieder der Gruppe wurden am 10. November 1944 von den Nationalsozialisten öffentlich hingerichtet.
Fasia Jansen, Tochter des liberianischen Generalkonsuls Momolu Massaquoi, wurde als 15-Jährige dienstverpflichtet, in einer Suppenküche zu arbeiten, die das Außenlager des Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg belieferte. Später wurde sie als politische Liedermacherin und Friedensaktivistin bekannt.
Am 9. September 2025, findet die Bezirksvertretungssitzung in Nippes statt. Dann entscheidet die Bezirksvertretung darüber, ob die Gustav-Nachtigal-Straße in Manga-Bell-Straße umbenannt wird. Am 7. November 2024 hatten die Bezirksvertreter*innen dort, ebenfalls auf Empfehlung des Historischen Beirates beschlossen, die Gustav-Nachtigal-Straße umzubenennen.
Auch in Nippes wurde anschließend eine Öffentlichkeitsbeteiligung zur Namensfindung durchgeführt. Der neue Name sollte dabei ein Zeichen gegen den deutschen Kolonialismus auf dem afrikanischen Kontinent setzen. Das Ergebnis wurde in der Bezirksvertretung Nippes beraten und man entschied sich für Manga Bell. Dieser Name wird für die anstehende Sitzung am 9. September vorgeschlagen. Emily und Rudolf Manga Bell stehen beide für den antikolonialen Widerstand in Kamerun. Rudolf Manga Bell wurde im August 1914 in Duala von der deutschen Kolonialverwaltung hingerichtet.
Nach Beschlussfassung durch die Bezirksvertretungen werden die Umbenennungen im Amtsblatt der Stadt Köln veröffentlicht und nach einer Übergangszeit von einem Jahr rechtskräftig. In dieser Zeit werden alle drei Straßenamen (alt und neu) in der Örtlichkeit sichtbar sein.
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Quelle: Pressemitteilung der Stadt Köln - Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Katja Reuter - vom 15. August 2025