Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 10:20 Uhr:
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REHACARE International: Hilfsmittelversorgung: Selbstständigkeit trifft auf Bürokratie und Kostendruck

» Hilfsmittel sind für viele Menschen eine wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Dennoch ist der Weg zum passenden Produkt offenbar häufig mit erheblichen Hürden verbunden. Das geht aus dem neuen REHACARE Report „Selbstbestimmt leben – Status quo und Zukunft der Hilfsmittelversorgung in Deutschland“ hervor. Für die Untersuchung wurden 1.527 Menschen befragt, die regelmäßig Hilfsmittel nutzen.
Die Ergebnisse zeigen zunächst eine hohe Bedeutung der Versorgung für den Alltag. 95 Prozent der Befragten geben an, dass Hilfsmittel ihr tägliches Leben positiv beeinflussen. 86 Prozent berichten von größerer Selbstständigkeit. Dabei reicht das Spektrum von Rollstühlen und Hörgeräten über Prothesen und Inkontinenzhilfen bis zu digitalen Assistenzsystemen.
Gleichzeitig offenbart die Befragung deutliche Probleme im Versorgungssystem. Zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fühlen sich durch bürokratische Prozesse belastet. 76 Prozent sind der Ansicht, eine gute Versorgung bekomme nur, wer hartnäckig bleibe und sich im System auskenne.
Insgesamt zeigen sich 68 Prozent mit ihrer Hilfsmittelversorgung zufrieden. Das bedeutet allerdings auch, dass rund ein Drittel nicht zufrieden ist. Unterschiedlich fällt zudem die grundsätzliche Wahrnehmung des Systems aus: 49 Prozent betrachten es als „Sparsystem“ der Kostenträger, während 52 Prozent darin ein Unterstützungssystem für Anwenderinnen und Anwender sehen. Besonders kritisch urteilen die 18- bis 29-Jährigen. In dieser Altersgruppe nehmen 63 Prozent das System als Sparsystem wahr.
Kostendebatte trifft auf individuellen Versorgungsbedarf
Die Ergebnisse erscheinen vor dem Hintergrund einer intensiven Debatte über die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Das im Juli 2026 beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht laut Pressemitteilung für die Hilfsmittelversorgung ab 2027 beziehungsweise 2028 einen pauschalen Abschlag von drei Prozent gegenüber vertraglich vereinbarten Preisen vor. Zugleich soll das Festbetragssystem für Hilfsmittel eine neue gesetzliche Grundlage erhalten.
Die REHACARE warnt davor, die Hilfsmittelversorgung ausschließlich unter Kostengesichtspunkten zu betrachten. Nach ihren Angaben entfielen 2023 bei rund 32 Millionen Versorgungsfällen 3,87 Prozent des GKV-Gesamtbudgets auf Hilfsmittel.
Entscheidend sei zugleich der mögliche Nutzen über die unmittelbare Versorgung hinaus: Geeignete Hilfsmittel können Menschen dabei unterstützen, ihren Alltag eigenständig zu bewältigen und beruflich aktiv zu bleiben. Gute Versorgung kann zudem Angehörige entlasten sowie Pflege- und Folgebedarfe reduzieren.
Aus Sicht der Studienautoren besteht deshalb die Gefahr, dass pauschale Einsparungen nicht tatsächlich Kosten vermeiden, sondern diese lediglich in andere Bereiche verlagern, etwa in Pflege, Krankenhausversorgung oder Arbeitsausfälle.
Mehr als das richtige Produkt
Der Report macht außerdem deutlich, dass eine gute Hilfsmittelversorgung nicht allein von der Verfügbarkeit geeigneter Produkte abhängt. Beratung, individuelle Anpassung, Service und nachvollziehbare Entscheidungen spielen ebenfalls eine zentrale Rolle.
Als wichtige Ansatzpunkte nennt der Bericht deshalb eine stärkere Rolle von Fachpersonal, eine bessere interdisziplinäre Zusammenarbeit und verständliche Prozesse. Ziel müsse eine Versorgung sein, die sich stärker am individuellen Bedarf und an gesellschaftlicher Teilhabe orientiert.
Vorgestellt wurde der REHACARE Report am 23. September 2026 zum Auftakt der REHACARE International 2026. Grundlage ist eine Online-Befragung vom März 2026. Befragt wurden 1.527 Menschen ab 18 Jahren, die regelmäßig Hilfsmittel nutzen und innerhalb der vergangenen fünf Jahre Erfahrungen mit Beantragung, Genehmigung, Anpassung oder Reparatur gemacht haben. Feldarbeit und Auswertung übernahm die INNOFACT AG. «
Quelle: Pressemitteilung der Messe Düsseldorf GmbH vom 23. September 2026 / textuell aufbereitet mit Hilfe von Copilot (KI)