Veröffentlicht am: 17.05.2020 um 17:57 Uhr:

Medien: Fotosperren

Wie sehen Sie folgende Sachverhalt: Sollen die Medien nach einer terroristischen Tat die Täter gezeigt werden oder lieber nicht? - Manfred Zollner hat sich so seine Gedanken gemacht und diese im fotoMAGAZIN in seiner Kolumne veröffentlicht...

» Ende Juli hat die französche Tageszeitung Le Monde angekündigt, künftig keine Fotos von Terroristen mehr zu veröffentlichen! Man wolle keine posthume Glorifikation von Attentätern mit Bildern, die als Propagandafotos des IS eingesetzt werden. Ein durchaus verständlicher Schritt. Deutsche Tageszeitungen reagierten auf die Ankündigung relativ verhalten und wollen vorerst weiter Terroristenfotos zeigen, beziehungsweise künftig "einzelfallbezogen" entscheiden. Dafür lässt sich einfach noch zu gut Auflage mit dem Terror machen. Schade. Warum man eigentlich diesen sogenannten "Märtyrern" noch zu posthumer Prominenz verhelfen und damit die perfide Kalkulation der Terrorbanden aufgehen lassen? Wohlgemerkt: eine generelle Berichterstattung verbietet sich natürlich nicht. Doch der mediengeile Aufbau von Psychopathen-Stars muss nicht sein. Während Deutschland noch über eine mögliche Selbstzensur in der Berichterstattung diskutiert, ist die technologische Entwicklung schon einen Schritt voraus. Ende Juni wurde bekannt, dass Apple bereits 2009 ein Patent für eine Kamera-Deaktivierung per Infrarot-Sensor angemeldet hat. Damit könnten iPhones künftig derart ferngesteuert gesperrt werden, dass eine Aufnahme vorübergehend nicht möglich ist. Als mögliche Einsatzbereiche wurden Konzerte genannt, in denen Fotografieren nicht gestattet ist. Doch jenseits von Fotoverboten bei Musik-Events bekommt derlei Big Brother-Technologie eine durchaus politische Dimension, die sich womöglich auch generell auf die Fotografie der Zukunft übertragen ließe. Werden eines Tages Regierungen und Behörden entscheiden, wann wir den Auslöser unserer Kameras drücken dürfen? Im Zeitalter des "Citizen Rporters", des omnipräsenten Smartphone-Bürgers, der ein Ereignis dokumentiert, wäre dies bei entsprechendem Einsatz im öffentlichen Raum eine Form von Zensur, die alle bislang bekannten Grenzen überschreitet. Mediale Diskussionen über die Zulässigkeit einer Veröffentlichung von Terroristen-Portraits wären dann schon beinahe naiv. «


Quelle: Kolumne Zollners Zeilen im fotoMAGAZIN 10/2016

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