Veröffentlicht am: 28.02.2022 um 23:55 Uhr:

Bundesregierung: Rede von Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier

zum russischen Angriff auf die Ukraine am 25. Februar 2022 in Berlin:

» Liebe Landsleute, uns allen ist das Herz schwer in diesen Tagen. Russlands Präsident hat unter lügnerischen Vorwänden einen Angriffskrieg gegen die Ukraine entfesselt. Es ist furchtbar, was die Menschen dort jetzt durchleben müssen: Tod und Verwundung, Zerstörung, Vertreibung, vieltausendfaches Leid – ganz in unserer Nähe, die Nachbarn unserer Nachbarn. Präsident Putin vergießt das Blut jenes Volkes, das er eben noch Brudervolk nannte. Ich appelliere an Präsident Putin: Stoppen Sie den Wahnsinn dieses Krieges – jetzt!

Wir sind mit unseren Gefühlen und Gedanken bei den Menschen in der Ukraine, die Opfer dieses Krieges sind. Auch für die Menschen in Russland wird das Handeln ihres Präsidenten bittere Folgen haben. Ich sage ihnen allen: Wir wollen keine Feindschaft mit dem russischen Volk. Im Gegenteil. Aber dieses Unrecht kann nicht ohne deutliche Antwort bleiben. Dafür arbeitet die Bundesregierung entschlossen und gemeinsam mit unseren Partnern im Nordatlantischen Bündnis und der Europäischen Union. Darauf können Sie vertrauen.

Und: Deutschland wird seinen Teil dazu beitragen, um Putin von Gewalt gegen unsere Partner im Bündnis abzuschrecken und abzuhalten. Uns Deutschen wird das manches abverlangen. Ja, dies ist eine Zäsur, eine tiefe Zäsur, und wir spüren das bis ins Mark – Sie, Ihre Familien, und auch ich selbst.

Aber ich habe es vor diesem Angriff gesagt, und ich sage es noch einmal: Der russische Präsident sollte die Stärke der Demokratien nicht unterschätzen. Und bitte, liebe Landsleute: Unterschätzen wir nicht die Stärke unserer Demokratie!

Es ist gut, dass die Menschen auf die Straßen und Plätze in unserem Land gehen und genau dies zum Ausdruck bringen. Zeigen wir den Menschen in der Ukraine unsere Anteilnahme und Solidarität! Der russische Präsident soll nicht eine Sekunde lang glauben, dass die Menschen in Deutschland und Europa diese brutale Gewalt einfach hinnehmen.

Und zeigen wir auch den Menschen in Russland, die Frieden wollen, dass sie nicht alleine dastehen. Zeigen wir einander und unseren Partnern gerade jetzt, was uns wichtig ist: Wir wollen Frieden! Wir wollen Freiheit, Recht und Selbstbestimmung für die Völker Europas! «


Quelle: Bulletin 24-1 des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom 28. Februar 2022

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