Veröffentlicht am: 07.09.2022 um 16:05 Uhr:

Bundesregierung: Rede von Bundeskanzler Scholz anlässlich des Empfangs der Preisträgerinnen und Preisträger des 57. Bundeswettbewerbs von "Jugend forscht"

Am 6. September 2022 hat Bundeskanzler Scholz anlässlich des Empfangs der Preisträgerinnen und Preisträger des 57. Bundeswettbewerbs von "Jugend forscht" nachfolgende Rede gehalten...

» Liebe Preisträgerinnen und Preisträger,
liebe Bettina Stark-Watzinger,
sehr geehrter Herr Dr. Baszio,
liebe Freunde und Förderer von „Jugend forscht“,

herzlich willkommen im Kanzleramt! Seit über 40 Jahren ist es Tradition, dass der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin alle Preisträgerinnen und Platzierten von „Jugend forscht“ ins Kanzleramt einlädt, seit Helmut Schmidt das 1981 eingeführt hat. Und doch ist dieser Termin heute eine doppelte Premiere - zum einen natürlich für mich als immer noch einigermaßen neuen Bundeskanzler. Und zum anderen, weil dieser Termin in den vergangenen zwei Jahren der Coronapandemie zum Opfer gefallen ist. Umso schöner ist es, dass wir uns heute live und in Farbe hier treffen.

An dieser Stelle schon einmal ein großes Dankeschön allen, die „Jugend forscht“ seit Jahren begleiten und auch in der Pandemie treu unterstützt haben - den Ehrenamtlichen, den Wettbewerbsleiterinnen und Wettbewerbsleitern, den Jurymitglieder und natürlich den Projektbetreuerinnen und ?betreuern! Ohne Ihren Einsatz wäre dieser Wettbewerb nicht möglich. Dafür herzlichen Dank!

Ein herzliches Dankeschön natürlich auch denjenigen, um die es bei „Jugend forscht“ geht! Das sind Sie, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, und zwar diejenigen, die gewonnen haben, genauso wie diejenigen, die den Wettbewerb durch ihre Ideen und ihr Engagement bereichert haben.

8 500 junge Forscherinnen und Forscher haben in diesem Jahr ihre Projekte eingereicht. Auch wenn wir noch nicht ganz bei der Hälfte sind, sind über 40 Prozent davon Forscherinnen. Das freut mich ganz besonders, und ich würde mir wünschen, dass wir in den nächsten Jahren die 50 Prozent erreichen, bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern genauso wie bei den Preisträgerinnen und Preisträgern.

Meine Damen und Herren, „Jugend forscht“ hat nicht nur eine Tradition hier im Haus, sondern auch eine lange wissenschaftliche Tradition. Der Grund dafür, warum der Wettbewerb 1965 ins Leben gerufen wurde, war ein hochpolitischer. Auslöser war der sogenannte Sputnikschock. Der Sowjetunion war es damals gelungen, einen Satelliten namens Sputnik in die Erdumlaufbahn zu schießen, um damit dem Westen beim Wettlauf um den Weltraum plötzlich einen Schritt voraus zu sein. Im Zuge dessen traf man in Deutschland die Entscheidung, Bildung und Forschung stärker zu unterstützten, vor allem den wissenschaftlichen Nachwuchs. So entstand „Jugend forscht“ als breites Bündnis aus Schule, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien, um die Forscherinnen und Forscher von morgen zu finden.

Ich erwähne das, weil wir auch in diesem Jahr einen großen Schock erlebt haben. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt nicht nur die Friedensordnung in Europa infrage. Er hat weltweite Folgen für die Energieversorgung, die Nahrungsmittelsicherheit und die Verfügbarkeit von Rohstoffen. Zugleich stehen wir vor der größten Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft seit Beginn der Industrialisierung, weil wir in Deutschland bis 2045 klimaneutral werden wollen, ja, müssen, um Ihnen und den nachfolgenden Generationen gute Lebenschancen zu erhalten.

Damit das gelingt, brauchen wir kreative Ideen und neue technische Innovationen, Erfindergeist und Kreativität. Selten zuvor waren diese Eigenschaften so wichtig, erst recht für ein Land wie unseres ohne viele Rohstoffe, das abhängig von Ideen und Innovationen ist. Wer hat diese mehr als junge Leute wie Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger? Schließlich ist die Jugend nachweislich die Phase der größten Schöpfungskraft. Albert Einstein beispielsweise hat die Relativitätstheorie bis Mitte 20 entwickelt und nicht, als er schon graue Haare hatte. Nicht umsonst werden auch einige große Preise, wie die Fields-Medaille für Mathematik, nur an Forscherinnen und Forscher unter 40 Jahren vergeben. Sie, liebe Preisträgerinnen und Preisträger, sind mit „Jugend forscht“ also schon auf einem guten Weg.

Damit dieser Weg so erfolgreich weitergeht und Sie vielleicht sogar beruflich in die Wissenschaft und Forschung führt, braucht es gute Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen von Weltrang. Deswegen hat die Bundesregierung die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht. Deutschland zählt weltweit zur Spitzengruppe der Länder, die die meisten Finanzmittel für Forschung und Entwicklung aufwenden, seit einigen Jahren über drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Jetzt wollen wir noch einmal etwas oben darauflegen und 3,5 Prozent bis 2025 erreichen. Gute Aussichten also für angehende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler! Deshalb möchte ich Sie ermutigen: Tragen Sie Ihre Begeisterung und das Interesse an Forschung und Wissenschaft weiter!

Dabei ist es übrigens zweitrangig, ob Sie diese Begeisterung an eine Universität oder Forschungseinrichtung oder über eine Berufsausbildung direkt in die Praxis führt. Heute Nachmittag bin ich zum Beispiel zu Besuch in einem großen industriellen Ausbildungszentrum in Berlin-Pankow, wo der neue Ausbildungsjahrgang startet. Dort wird in Robotik, Informationstechnik oder im Maschinen- und Anlagenbau weltweit führend ausgebildet. Den angehenden Auszubildenden werde ich das genauso sagen: Für die anstehende Transformation hin zu einer klimaneutralen und digitalen Wirtschaft und Gesellschaft brauchen wir beides. Wir brauchen diejenigen, die sich schlaue Dinge überlegen und diejenigen, die das am Ende umsetzen und bauen. Beides muss Hand in Hand gehen und ist gleichermaßen wichtig. Beides verdient gleichermaßen Respekt.

Meine Damen und Herren, Respekt verdient auch der Sonderpreis für die originellste Arbeit, den ich heute vergeben darf. Diesen Preis erhält in diesem Jahr Cornelius-Ägidian Quint von der Herman-Tast-Schule in Husum für seine Arbeit mit dem Titel „Schnelle Samen für neue Moore“.

Intakte Moore speichern bekanntlich große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid. Herr Quint hat die Möglichkeit erforscht, wie sich Moose auf trockengelegten Moorflächen schneller wiederansiedeln lassen. Für mich klingt das nach einer bahnbrechenden Idee, nach einer Art Kreislaufwirtschaft für Moore. Ich bin gespannt darauf, gleich noch mehr dazu zu hören.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Sonderpreis und natürlich auch herzlichen Glückwunsch allen übrigen Preisträgerinnen und Preisträgern!

Einen schönen Tag! «


Quelle: Pressemitteilung des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom 6. September 2022

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