Veröffentlicht am: 14.01.2023 um 05:00 Uhr:

boot Düsseldorf: „Weichen stellen für die Zukunft“

Interview zum blue innovation dock mit boot Director Petros Michelidakis

boot Director Petros Michelidakis | Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann
» Auf der boot 2023 dreht sich auf der Bühne des blue innovation dock (bid) alles um nachhaltige und zukunftsorientierte Konzepte für den Wassersport. Welche Ziele hat das bid, wen soll es ansprechen? Marcus Krall sprach mit Petros Michelidakis, Director der boot Düsseldorf, über diese Weltpremiere.

Im August gab es schon eine virtuelle Vorab-Premiere des bid als Live-Stream, jetzt geht es neun Tage lang auf die Bühne. Was kann man vom bid erwarten?

Wir haben diese Idee schon länger gehabt, konnten sie durch die Pandemie aber leider nicht umsetzen. Das blue innovation dock soll den Dialog zwischen der Branche und der Politik intensivieren. Mit dem bid möchten wir auf die Wichtigkeit der Wassersport-Industrie hinweisen und einen gesetzlichen Rahmen anregen, in dem die Industrie wachsen kann. Contentpartner des bid ist der Verband der European Boating Industry (EBI) mit Sitz in Brüssel.


Aufmerksamkeit als oberstes Ziel.

Unter anderem, natürlich. Es müssen jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Bereits unsere virtuelle Premiere im August hatte zur Folge, dass die EU eine Wassersport-Roadmap entwickelt, die erstmals auf der boot präsentiert wird. Darauf bin ich schon ein wenig stolz.


Welche Rolle spielt die boot beim bid?

Wir sind die weltgrößte Wassersport-Messe und bieten uns deshalb als Plattform an. Wir haben sowohl B2C- als auch B2B-Besucher und alle großen Werften sind hier. Deshalb ist die boot prädestiniert dafür, um einen Dialog zu intensivieren. Wir sind auf diesem Gebiet keine Pioniere, aber bestens geeignet, um möglichst viele Player zusammen zu bringen.


Welche Themen kommen auf den Tisch?

Es wird um die ganze Bandbreite gehen. Wie sinnvoll sind E-fuels? Wie gut ist Wasserstoff als Kraftstoff geeignet? Wie können Marinas schneller digitalisiert werden? Kann ich Wassersportler einbinden, um bedrohte Reviere zu schützen? Wie fahren wir in 30 Jahren mit dem Boot? Um die richtigen Themen zu setzen und gleichzeitig ein Meinungsbild einzuholen, haben wir eine Studie initiiert; mit dem ADAC 1500 Bootsfahrer befragt und außerdem Mitglieder unseres boot-Clubs. Das bid ist also sehr dicht dran am Markt und deshalb hoffe ich, dass die Politik und andere Entscheidungsträger es aufmerksam verfolgen.
Schon jetzt stellen 100 Aussteller mit nachhaltigen Antriebslösungen auf der boot 2023 aus.


Die boot widmet die Hallen 13 und 14 der sogenannten „Destination Seaside“. Dieser Küsten-Tourismus ist aktuell in aller Munde. Wird er auch in das bid integriert?

Das Thema Coastal Tourism (Küstentourismus) ist in der Tat sehr aktuell und wichtig. Er, also der Tourismus in unmittelbarer Küstennähe bis 11 Kilometer ins Landesinnere, erwirtschaftet jedes Jahr 240 Milliarden Euro in Europa. Davon generiert die Wassersport-Industrie zwischen elf und zwölf Prozent, also 25 bis 30 Milliarden Euro. Diese Erhebung haben wir zusammen mit dem European Tourism Board erstellt.
Ein kleiner Hinweis dazu vielleicht noch: Boote tragen dabei übrigens nur 0,1 Prozent zum gesamten C02-Ausstoß in der EU bei. Und wir sprechen hier von 6,5 Millionen Booten bis 24 Meter Länge, die in der EU gemeldet sind. Durchschnittliche Betriebsstunden pro Jahr: 35 bis 50.


Das scheinen mir in puncto Emissionen einigermaßen gute Werte zu sein.

Sind es auch. Wir müssen als Branche mitunter aber vielleicht auch die Extra-Meile gehen, weil wir im öffentlichen Fokus stehen, insbesondere die größeren Yachten. Ich sehe diese aber als Teil des Coastal Tourism und vergleiche sie gern mit einem Hotel – es wird darauf gewohnt, gegessen, es gibt Entertainment. Und: Wie viele Yachten liegen in Marinas, die als Wohnstätte dienen? In Griechenland ist das beispielsweise sehr gefragt.


Soll heißen, es geht auch um gesellschaftliche Veränderungen?

Absolut. Schauen wir uns doch an wie wir sehr wahrscheinlich in Zukunft leben werden. Wir werden die 4-Tage-Woche haben. Junge Leute werden den Arbeitgeber wählen, der dies anbietet. Um diesen einen Tag kämpft auch die Bootsindustrie.
Wir müssen dabei an die Nutzung der Boote und Yachten denken. Wir müssen wesentlich digitaler werden und in der aktuell guten Marktlage investieren. Auch dafür, für Inspirationen in dieser Hinsicht, haben wir das bid geschaffen.


Ist die Bereitschaft für Veränderung denn da?

Ich sehe an der Resonanz auf das bid, dass das Interesse aus der Industrie sehr groß ist. Außerdem sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Wir sind ein milliardenschwerer Markt, der wahrscheinlich noch ausbaufähig ist, wenn die Gesellschaft sich so verändert wie dies von vielen Experten prognostiziert wird. Als Werft könnte ich mir doch Gedanken machen wie ich mit meinem Produkt daran noch besser partizipiere. Das funktioniert aber wahrscheinlich nicht über das Design und die Motorisierung sondern über die Nutzung.


Können die Besucher der boot das bid eigentlich unkompliziert, also ohne Anmeldung, verfolgen?

Ja, ganz genau. Einfach hinsetzen, zuhören und sich inspirieren lassen. Wir werden etwa 40 bis 50 Sitzplätze bereitstellen und haben jetzt schon 60 Sprecher und Diskussionsteilnehmer, die auf der Bühne präsent sein werden. Am ersten Tag wird es direkt eine Session zwischen Politik und Wirtschaft geben, damit dort die ersten Weichen gestellt werden. Das tagesaktuelle Programm steht auf unserer Website und wird zudem über die Social Media-Kanäle der boot gespielt.


Wie sieht der Idealfall nach neun Tagen blue innovation dock aus?

Dass wir ausreichend Infos über die Branche an politische Entscheidungsträger vermittelt haben, sodass die Entwicklung in Sachen Nachhaltigkeit schneller vorangetrieben werden kann. Obwohl wir Wassersportler nur für 0,1 Prozent der EU-weiten Emissionen sorgen, ist es wichtig, dass wir stark daran mitwirken, dass unsere Reviere sauber bleiben und sauberer werden.
Es wäre fantastisch, wenn wir Rahmenbedingungen schaffen könnten, die branchenübergreifend und EU-weit greifen. Warum schützen die Spanier und die Deutschen das Seegras auf ihre Art und Weise und die Griechen – und Sie wissen, ich bin Grieche – es überhaupt nicht? Wir müssen in den Dialog kommen. Es geht nicht darum, wer im Recht ist, sondern darum, dass wir unsere Reviere für die kommenden Generationen erhalten.


Was rufen Sie jungen Menschen zu, die sich um eben dieses Thema sorgen?

Dass gerade die Wassersportbranche vom sauberen Klima und Gewässern abhängig ist. Die boot wird als Netzwerkplattform die Sensibilisierung der Gesellschaft, egal ob jung oder alt, weiter vorantreiben. Vor allem werden wir mit den Entscheidungsträgern in der Politik den Dialog fördern, um für die nötige Transformation zu sorgen und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.


Kommen auch NGOs zu Wort?

Selbstverständlich. Alle NGOs, die auf der boot vertreten sind – wie etwa WWF, Greenpeace NABU oder Deutsche Meeresstiftung – sind selbstverständlich aufgefordert, mitzuwirken und zu diskutieren. Dafür ist der 28. Januar eingeplant.


Bei welchen Diskussionen wird man Sie mit großer Wahrscheinlichkeit antreffen?

Am ersten Tag, wenn Politiker sich mit Werftvertretern austauschen, würde ich schon gern dabei sein. Ich hoffe, dass ich das schaffe. Es haben sich recht prominente Gäste angekündigt. Darüber hinaus ist jeder Tag des bid ein Innovationsbetreiber für die Branche, deshalb werde ich versuchen alle Themen mitzubekommen.


Kommen wir noch einmal zur Messe selbst. Nach zwei ausgefallenen Auflagen – kehrt die boot zurück zu alter Stärke und Größe?

Wir sind mit der Buchungssituation, die sich auf dem Stand von 2019 befindet, sehr zufrieden und präsentieren den Wassersport in seiner Gänze auf einer riesigen Fläche von insgesamt 31 Fußballfeldern.


Wie viele Aussteller sind es genau?

Wir erwarten um die 1500 Aussteller. In der Historie der boot ist das ein fantastischer Wert. Leider haben viele kleine Familienbetriebe im Tauchsegment haben die Corona-Krise nicht überstanden, diese Aussteller fehlen uns. Ebenso Direktverkäufer, die ihr Geschäft komplett ins Internet verlagert haben. Trotzdem gibt keine Messe auf der Welt, die dieses Angebot darstellt; zumal in einem solch internationalen Rahmen.
Das erste Eintrittsticket wurde übrigens nach Island verkauft. Der Besucher kommt zur boot, weil er Whalewatching anbietet und seine Bootsflotte so langsam erneuern möchte.


Nennen Sie mir noch drei Highlights, auf die Sie sich freuen?

Es ist immer schwierig, einige Marken herauszugreifen, da mir ja alle am Herzen liegen. Die größten Yachten kommen jedenfalls von Sunseeker und Sanlorenzo, sie sind beide um die 30 Meter lang. In Halle 17 zeigen wir, mit prominenter Unterstützung, das Wing-Surfen und Wing-Foillen in einem 60 Meter langen Pool und in Halle 12 wird der neue Tauch-Turm eingeweiht. Hier findet übrigens auch die Eröffnung der boot statt.


Ich würde gern noch einmal kurz auf die Hallen 13 und 14 eingehen, die Sie schon erwähnt haben. Das scheinen Hallen zu sein, die sich auch an Besucher richten, die nicht unbedingt ein Boot besitzen?

Exakt. Die „Destination Seaside“-Hallen sollen die Vielfalt des Urlaubs am Wasser abbilden. Hier geht es um Aktivitäten und Regionen – als Aussteller bilden beispielsweise die Lübecker Bucht, Portugal und Kroatien den Coastal Tourism ab. Das werden in Zukunft sehr wahrscheinlich ganz wichtige Hallen, um neue Wassersportler zu gewinnen.


Zum Abschluss: Ist Corona noch ein Thema auf der boot?

Die boot wird in einem ganz normalen Rahmen, wie wir ihn kennen und lieben, stattfinden. Wir haben 3000 Hepa-Filter in den Messehallen eingebaut, die 99,99 Prozent aller Viren herausfiltern. In den Hallen wird also ständig die Luft gereinigt. Dadurch müssen wir weniger Frischluft zuführen und senken so den Energieverbrauch.


Heimathafen für den internationalen Wassersport
boot Düsseldorf liegt vom 21. bis 29. Januar 2023 wieder am Rhein vor Anker


Die boot Düsseldorf ist seit 54 Jahren der Heimathafen und der Motor für den internationalen Wassersport. Sie bietet vom 21. bis 29. Januar 2023 Bootssport in allen Facetten und hat die Topmarken an Bord. Sowohl Segler als auch Motorbootfahrer finden hier vom Einstiegsbötchen und der Jolle bis zur Luxusyacht ein umfassendes Angebot. Auch Tauchen, Surfen, Paddeln oder Angeln stehen auf der boot im Fokus. Mit den innovativen und technisch ausgefeilten Produkten der Aussteller ist die boot die internationale Innovationsplattform ihrer Branche und jedes Jahr im Januar das Startsignal in die neue Wassersportsaison. Das umfassende touristische Angebot zum Urlaub und Sport auf, am und im Wasser der „Destination Seaside“ lockt alle Menschen, die ihre Freizeit am Meer, an Flüssen und Seen verbringen wollen. Attraktive Bühnenprogramme mit interessanten Interviewpartnern aus der Branche, neueste Trendsportangebote und ein hochkarätiger Mix aus Workshops und Meetings sowohl für den Freizeitsportler als auch für Experten machen die Messe weltweit einzigartig. Damit ist die boot Düsseldorf sowohl für die wassersportbegeisterte Familie als auch für internationale Fachleute 2023 wieder die erste Adresse.


Eintrittskarten auf www.boot.de

Tickets für die boot Düsseldorf 2023 sind ab sofort auf www.boot.de erhältlich. Der reguläre Online-Eintrittspreis beträgt 19,00 €, für www.boot.club.de und ADAC Mitglieder gibt es den vergünstigten Preis von 17,00 €. Eine Nachmittagskarte ist von Montag bis Donnerstag von 14:00 bis 18:00 Uhr für nur 10,00 € online erhältlich. An der Tageskasse vor Ort kostet der Eintritt 27,00 €. Kostengünstige Übernachtungen für alle boot und Caravaning Fans bietet im Januar das Caravan-Center der Messe Düsseldorf (35,00 € pro Nacht, Anreise ab 16:00 Uhr, Abreise bis 18:00 Uhr am nachfolgenden Tag). Über eine große Auswahl an Hotelzimmern verfügt die Reiseagentur bcd travel (Tel: +49 30 40365 2117, Mail: 347.01@bcdtravel.de) Alle aktuellen Informationen zur boot und ihrem Begleitprogramm gibt es online auf www.boot.de. «


Quelle: Pressemitteilung des boot Düsseldorf Presseteams vom 7. Januar 2023

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