Veröffentlicht am: 16.01.2023 um 10:00 Uhr:

boot Düsseldorf: Wassersport liegt voll im Trend

Genau ein Jahr ist es her, da berichteten wir an dieser Stelle von einem Konjunktur-Allzeithoch und einer aufblühenden Wassersportbranche – trotz erneutem Corona-Lockdown-Light. Das Einzige, was die Stimmung eintrübte, war die sehr kurzfristig durch die Politik abgesagte „boot“ sowie die internationalen Lieferketten, die in vielen Bereichen zum Erliegen gekommen waren.

» Dennoch: Corona wirkte wie ein „Booster“ für die Wassersportindustrie. Viele Neueinsteiger und heimatnaher, erdgebundener Urlaub führten in den letzten Jahren zu guter bis sehr guter Nachfrage in allen Segmenten.

Der 24. Februar ließ die Branche innehalten. Schon wieder eine Krise, dieses Mal aber in einem anderen Format. Die Ungewissheit war erneut sehr hoch.

Nicht unberechtigt, wie sich erweisen sollte. Die Inflation liegt Ende des Jahres 2022 im Durchschnitt bei rund 8 Prozent und ist daher so hoch, wie zuletzt unmittelbar nach der Wiedervereinigung. Vermögen wird entwertet.

So viel zu den schlechten Nachrichten. Aber es gibt auch Gute. Die Auftragsbücher der Werften sind immer noch für die nächsten 18 Monate gut gefüllt, der Wassersport-Boom geht weiter und durch die stark gestiegenen Energiekosten und dem veränderten Nachhaltigkeitsanspruch ist davon auszugehen, dass der Trend, erdgebundenen, heimatnahen Urlaub zu machen, weiter anhalten wird. Sollte sich die politische Lage also wieder stabilisieren, käme die Branche im Bestfall erneut mit einem kleinem Veilchen davon.

Entwicklung nach Segmenten

Kurzgesagt: Bei den Segelbooten gilt, je größer die Boote, je stabiler die Nachfrage. Nach wie vor sehen 63 Prozent der BVWW Mitglieder die Geschäftslage bei Segelbooten über 12 Metern besser (22%) oder zumindest auf dem Niveau des sehr guten Vorjahres (41%). Bei den kleinen Booten bis 7 Meter hingegen sehen 39 Prozent eine schlechtere Performance als 2021. Im Segment 7,5 Meter bis 12 Meter beträgt dieser Wert 32 Prozent, 53 Prozent befinden sich auf dem guten Vorjahresniveau, 16 Prozent sehen für 2022 ein Wachstum.

Bei Motorbooten ergibt sich ein etwas ausdifferenziertes Bild. Die Einsteigerklasse wird aktuell mit sage und schreibe 61 Prozent schlechter bewertet als im Vorjahr, ein harter Schlag für die Branche. Der Grund liegt auf der Hand. Der klassische Einsteigerkunde verfügt i.d.R. nicht über große finanzielle Spielräume und liquiden Mitteln. Ein Boot zu finanzieren kommt für viele nicht in Frage. Gerade diese Zielgruppe wird aktuell vermutlich das Ersparte lieber für die Nebenkostenabrechnung an die Seite legen. Bei den Motorbooten zwischen 7,5 Metern und 12 Metern hingegen sind immerhin 53 Prozent gleich (38%) oder besser (15%) zufrieden als mit dem starken Vorjahr. Und auch hier gilt – ähnlich wie bei den Segelbooten, je größer, je besser. Motorboote über 12 Meter liefern die beste Performance, immerhin 45 Prozent bestätigen mindestens ein gleich gutes Ergebnis wie 2021, 20 Prozent sogar ein Besseres. „Nur“ 35 Prozent empfinden die Lage 2022 schlechter als 2021.

Es zeigt: Menschen, die über ein höheres „Barvermögen“ verfügen (mittlerer 5-stelliger Bereich), gehen offensichtlich der Entwertung durch die Inflation aus dem Weg und investieren in „Schöne Dinge“.



  Abb. 1: Vorjahresvergleich
  
Abb. 1: Vorjahresvergleich



Auch der Service-/Refitbereich profitiert aktuell kräftig, denn hier sind die Rückmeldungen zu über 51 Prozent besser als im bereits starken Vorjahr. Nur 19 Prozent der Betriebe geben ein negatives Feedback. Umrüstungen z.B. auf Elektroantriebe wachsen stark, wenn auch noch auf einem insgesamt niedrigen Niveau.

Bei den Sportboothäfen wird es schwierig, die Situation weiter zu verbessern, denn voll ist eben voll, Erweiterungspotentiale sind kaum vorhanden. Dennoch bewerten 35 Prozent der Betriebe die Situation besser und 45 Prozent die Situation auf Vorjahresniveau, ein ordentliches Ergebnis.

Bei der Vercharterung von Haus- und Segelbooten stellt sich nach zwei Jahren endlich wieder so etwas wie Normalität ein. Dennoch sind die Flotten in Deutschland bereits jetzt für den Sommer gut gebucht, im Mittelmeerraum wird es zu den Ferienzeiten in einigen Bootsklassen schon knapp. Die Vorausbuchungen sind schon jetzt rekordverdächtig, vielleicht ein Ergebnis des super Wetter-Sommers 2022 sowie der deutlich steigenden Fernreisekosten.



  Abb. 2: Einschätzung Konjunktur Wassersportbranche 2023
  
Abb. 2: Einschätzung Konjunktur Wassersportbranche 2023



Wie die obenstehende Grafik zeigt, glauben nach 86% im Vorjahr nun immerhin noch 42,86% der Unternehmen daran, dass sich die Konjunktur für die Branche im nächsten Jahr trotzdem weiter verbessert. Gemessen an der aktuellen Lage sicher noch ein überraschend gutes Ergebnis und auf den ersten Blick auf die Grafik nicht unbedingt zu sehen. Aber wenn man es in die Relation der letzten beiden Jahre setzt, durchaus nachvollziehbar. Die Branche hatte einen Boom, und dass es aus verschiedenen Gründen nicht immer nur in dem Tempo weiter nach oben gehen kann, sollte jedem klar sein. Wo sollen die ganzen Liegeplätze auch herkommen?

Von dem her: Ja, es wird sicher schlechter in der nächsten Zeit, aber wir sollten demütig auf die vergangenen zwei Jahre blicken und vor allem die richtigen Vergleiche ziehen. Der richtige Vergleich wäre das letzte Vorkrisenjahr 2019, und da sieht es bei den meisten Akteuren aktuell vergleichsweise nach wie vor gut aus.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Situation in der Ukraine nicht weiter eskaliert und man zu einem Ende findet, was dann für unsere Branche weiter neue Kräfte freisetzen könnte.

Insgesamt schätzen wir die Vorzeichen für 2023 also vorsichtig als gut ein. Dennoch, Warschau halten ist angesagt. «


Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft e.V. vom 12. Januar 2023

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