Foto-Recht

Buddha mag keine Selfies

Sie gehören für jeden Fotoenthusiasten zum Urlaub dazu: die Urlaubsbilder. Bei aller Euphorie sollte der Urlaubsfotograf aber nicht vergessen, dass es auch im Ausland Regeln und Gesetze gibt, die man beim Fotografieren beachten sollte

TEXT MARIE SLOWIOCZEK

Ganz oben auf der Liste der Urlaubsmotive stehen wohl Bilder von Sehenswürdigkeiten – egal ob Taj Mahal, Hundertwasserhaus, Mount Rushmore oder die Kleine Meerjungfrau. Einige dieser Kunst- und Bauwerke sind nach den jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen des Reiselandes urheberrechtlich geschützt. Wenn man etwa in Deutschland Kunst- oder Bauwerke von öffentlichen Plätzen aus fotografiert, birgt das für den Fotografen in der Regel wenig Gefahr. Grund hierfür ist die sogenannte Panoramafreiheit. Diese erlaubt das Abfotografieren von urheberrechtlich geschützten Werken, solange sie nicht nur vorübergehend aufgestellt sind und von allgemein zugänglichen Plätzen und Wegen ohne Hilfsmittel (z.B. Leitern oder Drohnen) sichtbar sind.

Panoramafreiheit everywhere?

Ähnliche Privilegien genießt der Fotograf in vielen Ländern. Beispielsweise darf sich ein Fotograf in Österreich auf eine ähnliche Regelung berufen, die anders als in Deutschland, sogar die Abbildung von Innenräumen von Gebäuden umfassen kann. Vergleichbare Regelungen gibt es in der Schweiz, Großbritannien, den Niederlanden, Brasilien, China, Finnland, Portugal, Spanien, eingeschränkt in den USA, Belgien und Kanada. Anders gehen Frankreich, Italien und Andorra mit Außenansichten um: Das bekannteste Beispiel für ein Fotografen-Fettnäpfchen ist der nachts beleuchtete Eiffelturm. An der Illumination hält die Betreiberfirma die Abbildungsreichte. Dies führt dazu, dass Bilder des beleuchteten Eiffelturms zwar angefertigt, jedoch nicht veröffentlicht werden dürfen, selbst wenn sie von einem noch so öffentlichen Platz aufgenommen wurden. Planen Sie also, Ihre Urlaubsbilder von Kunst- und Bauwerken nicht nur im Familienalbum zu verstecken, sondern auch herzuzeigen, etwa in sozialen Netzwerken, oder sie sogar kommerziell zu verwerten, sollten Sie sich vorab informieren, ob dies nach den jeweils geltenden gesetzlichen Bestimmungen zulässig ist.

Nicht nur wegen der Urheberrechte sind einige Länder streng, was das Fotografieren von Gebäuden angeht. Gerade außerhalb Europas ist es eine sehr schlechte Idee, militärische, staatliche oder polizeiliche Anlagen zu fotografieren. Dazu können bereits Flughäfen, Brücken, U-Bahnen oder Paläste der Staatsoberhäupter gehören. Anders als bei urheberrechtlich geschützten Werken kann bereits das Fotografieren dieser Einrichtungen unter Strafe gestellt sein. Dies gilt z.B. für China, Russland, Armenien, Pakistan, Kuba und eine Vielzahl der arabischen und afrikanischen Länder, darunter Ägypten, Eritrea, Kamerun, Iran, Katar, Oman, Jemen, Kuweit und die VAE. Gerade die letztgenannten Länder lassen bei der Durchsetzung der Fotografierverbote nicht mit sich spaßen. Die Beschlagnahme der Fotoausrüstung ist da dann noch das kleinste Übel; es drohen Festnahmen und sogar strafrechtliche Verfolgung.

Außerdem sollte es für einen Fotografen auch selbstverständlich sein, bei der Abbildung religiöser Stätten besonders feinfühlig vorzugehen – insbesondere für die Dauer der Gottesdienste und Zeremonien. In Saudi-Arabien besteht z.B. ein ausdrückliches Fotografierverbot rund um die Heiligen Stätten in Mekka und Medina. Und den Sighalesischen Buddhisten bringt man schon gegen sich auf, wenn man sich mit dem Rücken zu einer Budda-Statue stehend fotografieren lässt. Verstöße gegen diese Fotografierverbote können e nach Schwere mit empfindlichen Strafen geahndet werden.

Wenn Sie auf Ihrer Reise genug von Außenansichten haben und Gebäude, Museen, Kirchen oder andere Gebäude auch mal betreten wollen, erkundigen Sie sich besser bereits im Vorfeld, ob und wie dort fotografiert werden darf. Im Inneren eines Gebäudes gelten schließlich nicht nur die gesetzlichen Bestimmungen, sondern auch das Hausrecht des Eigentümers oder Pächters. An vielen Orten ist bekanntermaßen die Verwendung von Stativen und Blitzen verboten – ärgerlich, wenn man sie dann extra mitgeschleppt hat. Neuerdings gesellt sich hierzu auch noch eine andere, streitbare Neuerung – der Selfie-Stick. Offiziell aus Gründen der Sicherheit haben u.a. das Museum Versailles, die London National Gallery, das Smithonian und das MOMA die Benutzung von Selfie-Sticks in ihren Räumen untersagt (inoffiziell mag es darum gehen, die Leute vor größerer Selbstblamage zu bewahren). Hält man sich nicht daran, droht ein Hausverbot.

Land und Leute

Zu den Urlaubserinnerungen gehören auch Bilder von Land und Leuten. Aber gerade von fremden Kulturen wird dem Fotografen oft ein besonderes Feingefühl abverlangt. Beinahe jedes Land kennt einen mehr oder weniger ausdifferenzierten Schutz der Persönlichkeitsrechte. So kann es in vielen Ländern schon Probleme mit sich bringen, Personen ungefragt zu fotografieren, selbst wenn das Foto im Anschluss gar nicht veröffentlicht wird. Besonders in konservativen oder streng religiösen Ländern empfiehlt es sich, Personen zurückhaltend zu fotografieren. In Katar, Oman, Saudi Arabien, Jemen und den VEA sollte man etwa insbesondere Frauen nicht fotografieren, ohne vorher eine Erlaubnis eingeholt zu haben.

Wer Kinder fotografiert, sollte sich immer vergewissern, dass auch die Eltern einverstanden sind. Im sonst so freizügigen Brasilien kann man Probleme mit der Polizei bekommen, wenn man Kinder, erst recht in Badebekleidung am Strand, fotografiert: Apropos Strand: Selbstverständlich sind Bilder von Personen im Bikini oder in Badehose wesentlich privater als solche in vollständiger Beleidung und sollten dementsprechend behandelt werden. Ein großes No-Go ist die Kamera am FKK-Strand – Bilder von Nackedeis sind nur dann zulässig, wenn der Abgebildete ausdrücklich damit einverstanden ist, dass er fotografiert und das Bild veröffentlicht wird.

Andere Länder, andere Sitten

Leider gibt es kein Patentrezept dafür, wie man im Ausland rechtssicher seine Urlaubsbilder in den Kasten bekommt, da jedes Land seine eigenen Gesetze hat. Mit etwas Einfühlungsvermögen bekommt man oft das Bild, das man gerne hätte. Und wenn doch Unsicherheit herrscht, ist es meistens die bessere Idee, den Auslöser mal nicht zu drücken, sondern die Szene lieber zu genießen und sich zu Hause zu erinnern, wie schön es war.

Die Anwältin Marie Slowioczek und ihre Kollegen Robert Golz und Hendrik Wieduwilt aus der Kanzlei Härting Rechtsanwälte (www.haerting.de) erklären in ihrer Kolumne „Fokus Fotorecht“ auf www.fotomagazin.de neue Gesetzesentwürfe, stellen populäre Irrtümer richtig und beantworten rechtliche Fragen rund um die Fotografie.

Quelle: fotoMagazin 08/2015