Veröffentlicht am: 31.01.2026 um 09:08 Uhr:

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Wissen: Gibt es noch Kormoranfischer?

Fische fangen ohne Netz und Angel? Die über tausendjährige Tradition ist beinahe ausgestorben

» Sie flattern krächzend ums Boot, tauchen immer wieder in den Fluss - und kehren mit Beute im Schnabel zurück. Bis zu zehn zahme Vögel begleiten einen Mann, einen Kormoranfischer. Seit 1300 Jahren vererben diese in Japan ihr Wissen jeweils an den ältesten männlichen Nachfahren. So gibt es tatsächlich noch einige Usho, wie die Kormoranfischer in Japan heißen. Weitere arbeiten in China, Korea und Indien.

Sobald die Sonne untergeht, treffen sich die Fischer am Flussufer an einem Lagerfeuer. Diesem entnehmen sie brennende Holzscheite für den Feuerkorb am Boot, der dicht über dem Wasser baumelt. Sein Flackern soll Fische aufscheuchen, zudem spendet er den Kormoranen beim Tauchen Licht. Die weitere Technik der Fischer erscheint uns heute wenig tierfreundlich: Über eine Leine am Fuß oder Körper halten sie die gezähmten Kormorane in der Nähe des Boots, eine weitere Leine um den Hals sorgt dafür, dass die Vögel größere Fische nicht sofort verzehren, sondern an den Fischer abgeben, kleinere dürfen sie jedoch schlucken. Die Ausbeute wird für beide allerdings immer geringer: Durch Klimawandel und Hitzewellen sinkt der Wasserspiegel der Flüsse, sodass es weniger und vor allem immer kleinere Fische gibt.

Manchen der Usho wird eine besondere Ehre zuteil: Sie dürfen den japanischen Kaiser mit den begehrten Ayu-Fischen beliefern, einer Delikatesse aus dem Nagara-Fluss, der durch die Präfektur Gifu fließt. Im Städtchen Oze, etwa 250 Kilometer westlich von Tokio, gibt es drei solcher Familien. Sie versorgen allein den Kaiser achtmal im Jahr in einer streng überwachten Zeremonie. «


Quelle: Felicitas Bläsche in der HÖRZU vom 23. Mai 2025

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