Veröffentlicht am: 05.03.2026 um 17:12 Uhr:

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Köln: Wie teuer wird Olympia?

Köln. Am 19. April 2026 sollen die Bürgerinnen und Bürger darüber entscheiden, ob sich Köln weiter um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele bemühen soll. Inzwischen als „Leading City“ und damit Namensgeberin der seit vielen Jahren schwelenden Rhein-Ruhr-Ambitionen.

» 2,5 Millionen Euro wird der Ratsbürgerentscheid insgesamt nach Ansicht der Verwaltung kosten – 85 Prozent davon übernimmt demnach das Land NRW. Aus dem Kölner Haushalt ist somit ein Eigenteil von 373.000 Euro zu bestreiten.

Und dann? Was wird Köln der Traum von Olympia im weiteren Bewerbungsverlauf kosten? Was, wenn das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Spiele, 2036, 2040 oder 2044 tatsächlich an den Rhein geben? Kann die Stadt sich das überhaupt leisten? Und wir der Nutzen so groß sein, wie ihn Olympiabefürworter sich erhoffen?

Fragen, die schwer zu beantworten sind. Welche Chancen und Kosten durch Olympia könnten auf die Stadt zukommen? „Dazu zählen erwartete Mehrwerte für die Gesellschaft sowie der volkswirtschaftliche Nutzen, die Kosten für die Durchführung der Spiele einschließlich Sicherheitsmaßnahmen, städtischerseits, eventuelle Anteile an Bewerbungskosten, die Kosten für den Neu- und Umbau von Sportstätten und weiterer Infrastruktur, abzüglich Fördermittel“, so die Rechnungsprüfer der Stadt. Sie betonen, dass eine entsprechende Übersicht zeitnah erstellt werden sollte, „sodass hinsichtlich der Olympischen und Paralympischen Spiele eine fundierte Entscheidung getroffen werden kann“.

Welche Begeisterung und was für großartigen Sport Olympia einer Stadt bescheren kann, haben die Spiele 2024 in Paris gezeigt. Beim Beachvolleyball unter dem Eiffelturm hat sich der Kölner natürlich ein entsprechendes Szenario im Schatten des Doms vorgestellt. Und wenn schon die Pariser so wunderbar weltoffen und gastfreundlich sein konnten, was wäre dann erst in Köln möglich?

Olympia: Kosten immer höher und nur das IOC gewinnt.

Aber Olympia gibt es nicht ohne Beigeschmack. Es ist das Produkt eines durch und durch intransparenten und streng auf seine Vermarktungshoheit achtenden IOC, das am Ende immer der Gewinner ist. In so mancher Ausrichterstadt sind nach dem Abzug der Spiele große Finanzlöcher und im Nachgang überflüssige Bauten geblieben. Auch die Pariser Bilanz war finanziell nicht rundum zufriedenstellend. Der französische Rechnungshof bezifferte die Kosten für Olympia mit 6,6 Milliarden Euro – 3,02 Milliarden für die Organisation (davon 1,44 Milliarden für Sicherheit) und 3,63 Milliarden für Infrastruktur. 2023 hatte man noch mit kosten von 2,44 Milliarden Euro gerechnet.

Köln und die Region Rhein-Ruhr werben damit, auf besonders viele bestehende Sportstätten zurückgreifen und damit ein besonders nachhaltiger Olympia-Ausrichter sein zu können. Noch fehlen allerdings Herz und Lunge Olympischer Spiele – das Leichtathletik-Stadion und das Olympische Dorf. Beides würde bei einem positiven Bescheid durch das IOC in Köln gebaut werden. In Kreuzfeld im Kölner Norden.

Kreuzfeld wirkt wie der perfekte Ort für so ein Olympia-Projekt. Erst großer Sport, dann dringend benötigter Wohnraum. Aber: Die Pläne für den neuen Stadtteil sind schon weit fortgeschritten, ein städtebaulicher Entwurf und eine technische Masterplanung liegen vor. Mit Olympia müssten die Pläne entsprechend geändert werden. Und die Wohnungen würden möglicherweise später fertig als geplant.

Die Stadt beziffert die bisherigen Planungskosten für den neuen Stadtteil im Norden mit rund zwei Millionen Euro. Der Entwurf eines temporären Olympiastadions sei von der Staatskanzlei NRW beauftragt worden und bisher schematisch und standortunabhängig. Die Stadt Köln sei daran nicht beteiligt gewesen.

Erst „mit Verstetigung der Olympia-Planungen“ könnten „konkrete, qualifizierte und angepasste konzeptionelle Planungen“ angestoßen werden, so die Stadt. Die Kreuzfeld-Planung sei „in sich konsistent und kann auch mit einer möglichen Ausarbeitung im Kontext von Olympia-Bedarfen fortgeführt werden“.

Es gibt bessere Instrumente der Wirtschaftsförderung als die Spiele

Nach bisherigen Planungen soll der neue Stadtteil Kreuzfeld zwischen 2032 und 2040 entstehen. Somit käme es wohl nur bei einer Ausrichtung Olympischer Spiele 2036 zu keiner nennenswerten Verzögerung. Die Verwaltung gibt sich allerdings überzeugt, dass die Bewerbung für 2036/40/44 „einen Katalysator der Entwicklung“ darstellt, „allem voran zur Priorisierung, Finanzierung und Verbesserung der Leistungsfähigkeit übergeordneter infrastruktureller Bedarfe im Kölner Norden“.

Heißt: Die Stadt Köln glaubt, dass Olympia das Tempo beim Land NRW und der Deutschen Bahn erhöhen würde. Sie sind verantwortlich für den Ausbau des Blumenbergswegs und der zu ertüchtigenden S-Bahn-Station Blumenberg. Olympia als Infrastruktur-Booster? Das Ringe-Event, das neue (oder modernisierte) Sportstätten, Straße und Schienen bringt? Das ist ein vielfach vorgetragenes Argument von Befürwortern des Sport-Spektakels.

Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte zuletzt im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gesagt: „Olympia ist kein Instrument der Wirtschaftsförderung. Da gibt es 1000 Instrumente, die besser sind.“ Man wisse aus der Analyse vorheriger Olympischer Spiele, „dass die Kosten im Vorfeld in der Regel dramatisch unterschätzt werden“. «


Quelle: Susanne Rohlfing und Julia Hahn-Klose in "Express - Die Woche" vom 27. Dezember 2025

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