Veröffentlicht am: 07.05.2026 um 20:08 Uhr:
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Bücher: Luisa Neubauer: Was wäre, wenn wir mutig sind?
» Die Klimakrise ist eines der zentralen Themen unserer Zeit – und gleichzeitig eines der am häufigsten diskutierten. Dennoch stellt sich eine entscheidende Frage: Wenn die Fakten längst bekannt sind, warum bleibt die notwendige Veränderung aus? Genau an diesem Punkt setzt Luisa Neubauer in ihrem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ an.
Die bekannte Klimaaktivistin verzichtet bewusst darauf, die wissenschaftlichen Grundlagen der Krise noch einmal ausführlich zu erklären. Stattdessen geht sie tiefer und analysiert, warum gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Strukturen echte Fortschritte oft blockieren. Dabei richtet sie den Blick insbesondere auf die bestehenden „fossilen Spielregeln“ unserer Gesellschaft – also auf Systeme und Denkweisen, die weiterhin stark von fossilen Energien geprägt sind.
Das Buch nähert sich der Klimakrise aus verschiedenen Perspektiven: Neubauer beschreibt Machtverhältnisse, beleuchtet gesellschaftliche Widersprüche und stellt die Frage, warum selbst sichtbare Klimakatastrophen häufig kein ausreichendes Umdenken auslösen. Sie zeigt auf, dass es nicht allein an mangelndem Wissen liegt, sondern auch an politischen Interessen, kulturellen Mustern und fehlenden positiven Zukunftsbildern.
Besonders prägend ist dabei der persönliche Zugang der Autorin. Neubauer verbindet politische Analyse mit eigenen Erfahrungen und schafft es so, komplexe Zusammenhänge greifbarer zu machen. Ihre Erzählweise ist weniger wissenschaftlich als vielmehr essayistisch und emotional geprägt – mit dem Ziel, Leserinnen und Leser tatsächlich zu erreichen und zum Nachdenken anzuregen.
Neben der Analyse richtet das Buch auch den Blick nach vorn. Neubauer diskutiert mögliche Lösungen und fordert einen Perspektivwechsel: Klimaschutz müsse nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance verstanden werden. Dabei spielt das Thema Hoffnung eine zentrale Rolle. Allerdings handelt es sich nicht um eine naive Zuversicht, sondern um eine „aktive Hoffnung“, die zum Handeln motiviert und Veränderung erst möglich macht.
Mit einem Umfang von 144 Seiten ist das Werk bewusst kompakt gehalten. Gerade dadurch entsteht eine klare, zugängliche Lektüre, die sich nicht in Details verliert, sondern zentrale Fragen pointiert aufgreift. Das Buch versteht sich weniger als umfassende Analyse, sondern vielmehr als Denkanstoß – als Einladung, bestehende Muster zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen.
„Was wäre, wenn wir mutig sind?“ ist damit kein klassischer Sachbuch-Ratgeber, sondern eine engagierte, persönliche und zugleich politische Auseinandersetzung mit der Klimakrise. Es liefert keine einfachen Antworten, aber viele wertvolle Impulse – und bleibt vor allem eines: ein Aufruf zum Umdenken und Handeln.
Die Programmzeitschrift HÖRZU hat dem Buch aus dem Rowohlt Verlag ein "großartig" als Bewertung gegeben. «
Quelle: HÖRZU vom 7. Februar 2025