Veröffentlicht am: 14.11.2025 um 17:57 Uhr:
ca. 4 Minute(n) Lesezeit
Köln: Stadtsportbund-Chef fordert Weiterführung des Projekts - Was wird aus dem inklusiven Sportpark? (2024)
» Stammheim. Sedat Özbicerler kann sich vor Anfragen derzeit kaum retten. Der Geschäftsführer der Rollstuhlbasketballer der Köln 99ers organisiert gerade den Nations Cup, ein mit acht Weltklasse-Nationalmannschaften besetztes Vorbereitungsturnier für die Paralympics. Zu gerne würde Özbicerler den Verantwortlichen der besten Rollstuhl-Basketball-Nationen dafür beste Bedingungen ermöglichen. Doch auch in diesem Jahr wird das Turnier in der Mülheimer Sporthalle am Bergischen Ring stattfinden.
Dabei begann der engagierte Geschäftsführer der Kölner Rollstuhl-Basketballer bereits im Jahr 2015 mit den Planungen für einen inklusiven Sportpark, der deutschlandweit seinesgleichen suchen würde. Andere Vereine und Verantwortliche der Stadt zeigten sich daraufhin begeistert, zumal es in Köln mit Ausnahme der Lanxess Arena keine bundesligataugliche Spielstätte für hiesige Profivereine gibt. Kein Wunder also, dass Politiker aller Parteien von dem Projekt angetan waren.
Nach einer positiv ausfallenden Machbarkeitsstudie im September 2020 schien dann der nächste Schritt gemacht zu sein. Die Entstehung des inklusiven Sportparks mit einer Hallenkapazität von 500 bis 3000 Zuschauern, einem daran angeschlossenen Gesundheitszentrum samt Physiotherapie, Fitnessstudio, einem Sanitätshaus sowie einem barrierefreien Hotel mit bis zu 120 Betten schien auf einem Gelände in Stammheim tatsächlich realisierbar zu sein. Gleichzeitig hieß es damals: Wichtig für den weiteren Verlauf und den Erfolg des Projekts werde sein, dass die 99ers mit den ebenfalls im Projekt involvierten Kölner Haien und der Stadt genügend Förderer finden, um die Finanzierung und den Betrieb des inklusiven Sportparks auf mehrere Schultern zu verteilen.
Doch während Özbicerler der Stadt immer wieder neue Vorschläge machte, habe die Stadt meist mit Ablehnung reagiert, ohne aber eigene Ideen einzubringen. "Wir wollen die Halle nicht exklusiv nutzen, sondern auch andere Vereine finden dort Platz", betont Özbicerler. "Zwar werden die Basketballer der RheinStars und die Volleyballer der DSHS Snowtrex zukünftig im umgebauten Radstadion unterkommen, doch die Halle könnte auch von Schulen und Breitensportvereien genutzt werden. Deshalb würde es auch aus diesen Gründen Sinn machen, das Projekt umzusetzen, zumal viele Vereine in Köln sich über fehlende Hallenzeiten beklagen."
Der Kölner Sportbundchef Peter Pfeifer sieht das ähnlich. Zudem sei er verwundert darüber, dass sich die Verantwortlichen der Stadt zuletzt nicht mehr für das Projekt engagieren. "Leider tut sich diesbezüglich zurzeit nichts. Dabei hieß es zu Beginn der letzten Legislaturperiode, dass das Thema Inklusion für die sogenannte Sportstadt Köln von enormer Bedeutung sei", erinnert sich Pfeifer. "Es scheitert wohl an den Finanzen, da das Projekt vermutlich etwa 50 Millionen Euro kosten wird. Gleichzeitig werden für die Hochkultur deutlich höhere Summen ausgegeben, obwohl sie für eine viel kleinere Anzahl von Menschen relevant sei."
auch deshalb fordert Pfeifer von den Verantwortlichen der Stadt, die Planung für den inklusiven Sportpark in Stammheim wieder aufzunehmen. "Endlich hat man mal eine Chance, im Sport deutschlandweit eine Vorreiterrolle einzunehmen und sie nimmt sie nicht wahr", ärger sich Pfeifer. "Es genügt nicht, dem FC zuzujubeln und sich darüber zu freuen, dass Arena-Chef Stefan Löcher ein Top-Event nach dem nächsten in die Lanxess-Arena holt." Vielmehr müsse ein Projekt wie dieses umgesetzt werden, auch im Hinblick auf eine mögliche Olympia-Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region. "Köln könnte dadurch international dafür stehen, beste Bedingungen für die Paralympics geschaffen zu haben", sagt Pfeifer. "Auch deshalb sollten alle Beteiligten ein Interesse daran haben, bei diesem Projekt endlich den nächsten Schritt zu gehen." «
Quelle: Alexander Büge für Express - Die Woche - vom 24./25. Mai 2024