Veröffentlicht am: 19.11.2021 um 11:38 Uhr:

Köln: In zwölf Jahren ist nichts passiert

Berliner Straße wird wohl bis 2025 nicht umgebaut

» Dünnwald (hh). Der Ersatzbus der Linie 104 nimmt Kurs Richtung Schlebusch und passiert dabei die auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkenden Autos. Aus der Gegenrichtung nähert sich ein monströser SUV und meint, noch vor dem Eintreffen des Linienbusses an den abgestellten Wagen vorbeihuschen zu können. Das Vorhaben misslingt jedoch, und innerhalb weniger Sekunden bricht auf der Berliner Straße, der Hauptverkehrsader Dünnwalds, der Verkehr zusammen.

„Das passiert hier jeden Tag über ein Dutzend Mal. Hier ist es halt einfach viel zu eng“, beobachtet eine ältere Anwohnerin aus der benachbarten Von-Diergardt-Straße das Geschehen fast schon gelangweilt und resignativ. Das Ansinnen, die Straße verkehrsmäßig zu entlasten und sie letztlich für Anwohner und Geschäftstreibende attraktiver zu gestalten, ist immer noch ein zentrales Anliegen des Dünnwalder Bürgervereins von 1899 e.V. „Das Projekt ist jedoch ein alter Hut. Bereits 2009 wurden erste Gespräche im städtischen Verkehrsamt zur Umgestaltung der damaligen. Bundesstraße geführt, um das Wohn- und Wohlgefühl zu steigern. Im darauffolgenden Jahr waren dann die Umbaupläne für den ersten Teilabschnitt zwischen Leuchterstraße und Von-Diergardt-Straße fertig, und alle städtischen Änderungswünsche wurden später auch noch berücksichtigt. Passiert ist danach aber bis heute nichts“, beklagt die frühere Bürgervereins-Geschäftsführerin Inge Schäfer-Möhrmann, die das Projekt von Anfang an betreute. Den aktuellen Zustand der Straße beschreibt Beiratsmitglied Laura Müller als katastrophal. „Oft ist hier alles zugeparkt, so dass insbesondere LKW und Busse nicht mehr durchkommen. Die müssen dann den Bürgersteig mitnutzen, der dadurch wie der Straßenbelag ruiniert wird. Dazu kommt noch der Lärm und die Feinstaubbelastung für die Anwohner.“

Mit der Bürgerinitiative „Sicher durch Dünnwald“ wurde zwar ein Tempo 30 auf der Verkehrsschlagader durchgesetzt. „Wir verfolgen aber eine ganzheitliche Lösung, die die Interessen aller Beteiligten, also von Bürgern, Fußgängern, Rad- wie Autofahrern, realisiert“, betont die aktuelle Geschäftsführerin Brigitte Fest, die sich ärgert, keinen Einblick in die städtische Straßenbau-Prioritätenliste zu erhalten. „Und dann haben wir während des ’Parking days’ auch noch erfahren müssen, dass wahrscheinlich auch bis zum Jahr 2025 hier nichts passieren wird. Das würde wohl bedeuten, dass noch mehr Geschäfte aufgrund der unattraktiven Lage für Einkaufsbummel schließen und keine notwendigen Investitionen in alte Häuser erfolgen werden.“ Laut Bürgerverein möchte die Stadt den einstigen Plan indes nicht einfach aktualisieren, sondern avisiert stattdessen eine viel Geld verschlingende Neuplanung. Laura Müller träumt währenddessen von einer „neuen“ Berliner Straße. „Generell stellt sie ja eine Chance für die Erhöhung der Attraktivität unseres Stadtteils dar. Fließender Verkehr, Parkplätze für Autos und Fahrräder und eine Umgestaltung des öffentlichen Nahverkehrs - das wäre doch toll.“ Um einen eigenen Anschub zu geben, strebt der Bürgerverein aktuell die Umgestaltung des Schützenplatzes zum P+R-Parkplatz an. «


Quelle: Kölner Wochenspiegel vom 22./23. Oktober 2021

Weitere Artikel zum Thema Köln, die Sie auch interessieren könnten...

Zehn Jahre Provisorium

Digital-Lotsen im Einsatz

Stadtgedächtnis zurück

Seniorenberatung in türkischer Sprache

Betrug nach Corona-Impfung