Veröffentlicht am: 14.09.2022 um 17:52 Uhr:

Bundesregierung: Ansprache der Präsidentin des Deutschen Bundestages, Bärbel Bas, zur Würdigung Ihrer Majestät Königin Elizabeth II.

Zur Würdigung Ihrer Majestät Königin Elizabeth II. hat die Präsidentin des Deutschen Bundestages, Bärbel Bas, nachfolgende Ansprache am 9. September 2022 vor dem Deutschen Bundestag in Berlin gehalten...

» Meine Damen und Herren!
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Wir gedenken heute Ihrer Majestät Königin Elizabeth II., Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Königin Elizabeth II. verstarb gestern im Alter von 96 Jahren. Über 70 Jahre war sie Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs und der anderen Staaten des Commonwealth, so lange wie kein britischer Monarch vor ihr. Die meisten Menschen können sich eine Welt ohne Königin Elizabeth II. nicht vorstellen. Sie war die Monarchin des Jahrhunderts.

1926 geboren, umfasste ihr Leben tiefgreifende politische und soziale Umbrüche im Vereinigten Königreich und in Europa. Sie erlebte den Zweiten Weltkrieg, das Ende des britischen Kolonialreichs, den Kalten Krieg und den Fall der Mauer, den Nordirland-Konflikt, den Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Union und auch den Brexit und die Coronapandemie. Sie stand für Frieden in Europa und sorgte sich schon vor Jahren, dass eine neue Trennlinie in Europa drohte.

Erst im Juni hat das Vereinigte Königreich ihr 70. Thronjubiläum gefeiert. Es waren Tage der Freude und des Stolzes auf die Queen als Staatsoberhaupt im Vereinigten Königreich und im gesamten Commonwealth. Sie führte ein Leben im Dienst ihres Volkes – mit Klarsicht, Weisheit und großer Disziplin. Aber auch mit Humor hat sie den Zusammenhalt im Vereinigten Königreich gestärkt. Zur Neutralität verpflichtet, wirkte sie mit ihrer moralischen Autorität. Königin Elizabeth II. stand für Werte und Beständigkeit – in sieben Jahrzehnten, die durch so viele tiefgreifende Umbrüche geprägt waren.

Sie war eine Ausnahmepersönlichkeit und ein Vorbild weit über die Grenzen des Vereinigten Königreichs hinaus. Überall auf der Welt genoss sie Respekt, Bewunderung und Sympathien. Das lag auch an ihrem Einsatz für den Frieden. Wir Deutschen sind ihr zutiefst dankbar dafür.

Während ihrer Regentschaft wurde aus den Beziehungen der einstigen Kriegsgegner Großbritannien und Deutschland eine Freundschaft. Daran hatte Königin Elizabeth II., die im Zweiten Weltkrieg in der Frauenabteilung des britischen Heeres diente, erheblichen Anteil.

Bei ihrem Staatsbesuch 2015, der ihr letzter Staatsbesuch überhaupt bleiben sollte, bezeichnete sie die Beziehungen zwischen unseren Ländern als „eine der unumkehrbaren Veränderungen zum Besseren“ in ihrer Lebenszeit. Es ging ihr, wie sie es ausdrückte, um eine „vollständige Aussöhnung“. Immer wieder hat sie sich für diese Aussöhnung und Freundschaft starkgemacht. Welche Bedeutung unsere Verständigung für sie hatte, zeigen ihre vielen und ausführlichen Staatsbesuche in Deutschland, die uns noch in klarer und sehr guter Erinnerung sind. Auch die, die Jahrzehnte zurückliegen.

Jeder ihrer Besuche in Deutschland brachte viele Tausend Bewunderer auf die Straße. Britische Medien berichteten 1965 über ein wahres Queen-Fieber in Deutschland. Als erstes britisches Staatsoberhaupt seit dem Zweiten Weltkrieg und erste britische Monarchin seit 1909 besuchte die Queen 1965 die Bundesrepublik Deutschland. Elf Tage lang reiste die Königin, begleitet von ihrem Mann Prinz Philip, damals durch die Bundesrepublik. 20 Stationen umfasste diese erste Reise, darunter auch meine Heimatstadt Duisburg. Immer wieder besuchte sie danach Deutschland. So reiste sie im Oktober 1992 fünf Tage durch das wiedervereinte Deutschland.

Deutschland hat Königin Elizabeth II. viel zu verdanken. Trotz aller schwierigen Phasen, die in ihre Regentschaft fielen, setzte sie sich bis an ihr Lebensende für Zusammenhalt und Zuversicht ein. In ihrer Grußbotschaft an ihr Volk zum 70. Thronjubiläum sagte sie: „Indem wir darüber nachdenken, was wir in den letzten 70 Jahren erreicht haben, blicken wir auch der Zukunft mit Zuversicht und Enthusiasmus entgegen.“

Wir trauern um eine große Staatsfrau. Der königlichen Familie und dem Vereinigten Königreich gilt unser tief empfundenes Mitgefühl. Wir stehen in diesem Moment der Trauer fest an der Seite des Vereinigten Königreichs.

Ich möchte Sie nun bitten, sich als Zeichen des Respekts, unserer Dankbarkeit und unserer Trauer im Gedenken an Ihre Majestät Königin Elizabeth II., Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland, von den Plätzen zu erheben für eine Schweigeminute. «


Quelle: Bulletin 109-1 des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom 12. September 2022

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