Veröffentlicht am: 10.12.2019 um 13:17 Uhr:

Fotografie: Dylans letzter Gruß

In der Kolumne "Zollners Zeilen" ging es in der Ausgabe 12/2017 des fotoMAGAZINs um das langsame, aber sichere Sterben der Print-Ausgaben von langjährigen Magazinen...

» Zum Abschied grüßte Bob Dylan mit ernster Mine vom Titelblatt. In der Print-Ausgabe der New Yorker Stadtzeitung The Village Voice hatte die Bildredaktion Mitte September [2017] ein altes Foto des Pop-Barden mit der kratzigen Stimme aus den Archiven hervorgekramt. Bob salutiert hier, als ob er die Hand zum letzten Goodbye heben würde. Gewissermaßen tu er das auch. Denn ab sofort erscheint die Voice nur noch als Online-Ausgabe. Wenn der Verleger Peter Turnley nun im Geleitwort schreibt, die Zeitung sei über 62 Jahre ein öffentliches Forum für Ideen und ein kulturelles Manifest progressiven Denkens und fortschrittlicher Ästhetik gewesen, dann klingt das wie ein Nachruf auf längst vergangene Zeiten. Abschließend feierten die Macher dieser letzten Print-Ausgabe noch all "jene Fotografen, die von South of 14th Street auf die ganze Welt geschaut haben." Dazu zählen legendäre Fotokünstler wie Sylvia Plachy, die hier über viele Jahre ihren Blick auf das Straßenleben in New York präsentierte.

Fast zeitgleich zu den Nachrufen auf die Goldenen Tage der New Yorker Stadtzeitung wurde publik, dass die amerikanische Musikillustrierte Rolling Stone derzeit zum Verkauf steht. Jann Wenner hat die einstige "Bibel der Gegenkultur" (New York Times) vor 50 Jahren als coole Illustrierte weit jenseits der reinen Musikberichterstattung etabliert. Zu den Ikonen der Pop- und Rock'n'Roll-Geschichte liefert der Rolling Stone Themen aus Politik, Gesellschaft und Alltagskultur. Annie Leibovitz begann hier als Redaktionsfotografin und entwickelte ihren höchst individuellen Inszenierungsstil für dortige Cover-Portraits. Die besten Jahre liegen auch beim Rolling Stone weit zurück. Print-Auflage und Werbeeinnahmen sinken wie bei den meisten einstigen Flaggschiffen des Journalismus. Dort, wo ehemals Fotografen den Bildjournalismus und die Portraitfotografie kreativ vorangebracht haben, ist man jetzt auf der Suche nach neuen Konzepten.

Mancher Ansatz erweist sich dabei als fehlgeleitet. So revidierte der US-Playboy schnell seine Vorsätze, künftig keine Nacktfotos mehr zu zeigen. Die Käufer des Herren-Magazins möchten eben keine Bunnies im BH. «


Quelle: Kolumne "Zollners Zeilen" in fotoMAGAZIN 12/2017

Weitere Artikel zum Thema Fotografie, die Sie auch interessieren könnten...

Hautnah kreativ - Das Model motivieren

Einstellungssache

Stieglitz-Briefe

Kommentar zum Thema Farbe

Gitterlinien im Sucher