Veröffentlicht am: 29.07.2020 um 18:18 Uhr:

Fotografie: Stars in Hotelbetten

In seiner Kolumne hat sich Manfred Zollner Gedanken zum Thema Kuratieren gemacht...

» Heute empfindet sich jeder bereits als Kurator, wenn er mal ein paar Instagram-Fotos mit Likes versehen hat. Kuratieren gilt gemeinhin als cool und verleiht selbst banalen Alltagsangelegenheiten den Anschein von „irgendwie etwas mit Kunst“ und „irgendwie wichtig“. Mittlerweile wird selbst der Urlaub nicht mehr gebucht, sondern quasi von der netten Dame im Reisebüro kuratiert. Kuratieren heißt zwar nichts weiter als organisieren und betreuen. Das klänge allerdings zu banal für die Kunstwelt. Das Fotofestival in Arles legt besonderen Wert auf seine Kuratoren und holt sich dafür Top-Experten aus aller Welt. Das funktioniert meist bestens und hat den Rencontres d’Arles seit 2015 zu mehr inhaltlicher Tiefe verholfen. Die in diesem Jahr von der LUMA Foundation organisierte Ausstellung zum bildjournalistischen Frühwerk von Annie Leibovitz zeigte hingegen, was passieren kann, wenn Ausstellungsmacher mangelndes Fingerspitzengefühl bei der Bildauswahl mitbringen. Die Pinnwände der Ausstellungshalle wurden zugepflastert mit tausenden Schwarzweißbildern prominenter Musiker, Schriftsteller und sonstiger Stars, die Annie zu Beginn ihrer Karriere für den Rolling Stone abgelichtet hatte. Eine unübersichtliche Abfolge von Fotos von Stars in Hotelbetten, auf Bühnen und Flughäfen. Schnappschüsse von den Transitzonen des Jetsets. Bilder, die wie Namedropping bei Partys funktionieren und den Besucher in die Kuratorenrolle zwangen. Motto: Wähle deine Lieblingsfotos selbst aus! Ein Lehrstück, das zeigte, wie wichtig eine kluge Vorselektion ist. «


Quelle: Kolumne Zollners Zeilen in fotoMAGAZIN 9/2017

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