Veröffentlicht am: 01.05.2023 um 09:00 Uhr:

Fotografie: Das Wunder: Polaroid

Die Kunstform Polaroid lebt. Polaroid-Kameras, einst Loser des Gebrauchtmarkts, sind heute große Gewinner

» Der Gebrauchtmarkt ist radikal: Was technisch veraltet ist, fliegt raus. Nur ganz wenige Klassiker, wie zum Beispiel Leicas, Rolleiflexen oder Zeiss-Objektive, behaupten ihre Preisposition in diesem gnadenlosen Umfeld. Was erst mal an Marktbedeutung verloren hat, ist weg vom Fenster.

Anders Polaroid: Die technisch anspruchsvolleren Polaroid-Sofortbildkameras erleben eine wahre Renaissance. Lagen diese vor Jahren noch in der Ramschkiste, so boomt heute die Nachfrage gerade nach technisch einwandfreien Modellen. Diese Rückbesinnung auf eine besondere Kunstform der Fotografie ist nachvollziehbar und überzeugend, denn die Sofortbild-Technologie fasziniert — gerade in ihrer technisch vollendeten Form der Polaroid SX-70-Reihe aus den 70Oer-Jahren. Abdrücken, Bild auswerfen, warten, fertig ist das sichtbare Bild. Gerade diese Teilhabe am Werdeprozess, wenn das Motiv Gestalt annimmt, lässt ein besonderes Verhältnis zum Bild entstehen. Und: Es gibt nur dieses Original, ein Unikat der erlebten Realität. Kein Wunder, dass heute die Polaroid-Fotografie zum Kultfaktor aufsteigt. Im Zeitalter der digitalen Massenfotografie sind die unverwechselbaren kleinen, einmaligen Bilder mit dem markanten weißen Rahmen vielleicht die analogste Form der Fotografie.

Nachdem nun dank der österreichischen Firma Impossible Project auch die Filmfrage geklärt ist, sind die alten Polaroid SX-70-Kameras Renner auf dem Gebrauchtmarkt und erzielen in den anspruchsvolleren Varianten Gebrauchtpreise jenseits der 100-Euro-Grenze. Diese Kameras faszinieren auch technisch: Im zusammengeklappten Zustand eher an ein Taschenbuch erinnernd, entpuppt sich die SX-70 entfaltet als geniale Kamera mit doppelseitigem Spiegel, der das Bild vom Objektiv in den Sucher und nach Auslösung hochgeklappt auf den Film lenkt. Das Surren des motorisch ausgeworfenen, belichteten Papierbilds ist ihr Markenzeichen.

Die Kunstform Polaroid lebt und nicht als Aktion von Retro-Verirrten, sondern durch eine spezifische Ästhetik, die gerade die Unberechenbarkeit und Einmaligkeit des Bildergebnisses zum Ziel hat. «


Quelle: "Warnkes Secondhand-Kolumne" im fotoMAGAZIN 12/2013

Weitere Artikel zum Thema Fotografie, die Sie auch interessieren könnten...

Junge Gebrauchte

Teurer Salgado

In Memoriam Robert Häusser (1924 - 2013)

Reuters ohne RAW

Blusen für Bunnys