Veröffentlicht am: 24.08.2025 um 13:38 Uhr:
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Umwelt: Chempark leitet giftiges Pestizid in den Rhein
» Laut Gefahrstoff Informationssystem der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (GESTIS) kann das Pestizid Leberschäden verursachen und die Entwicklung von Kindern im Mutterleib beeinträchtigen. „Weil der Stoff so schwere gesundheitliche Schäden bei Menschen und Tieren verursachen kann, hat die Europäische Union das Pestizid Cyproconzol 2021 vom Markt genommen“, sagt Paul Kröfges, Wasserexperte des deutschen Umweltverbandes BUND. Bis zum 30. November 2022 mussten alle Restbestände des Pestizids in der EU Verbrauch und danach sicher entsorgt werden.
Der WDR hat den Chemieparkbetreiber Currenta und die Kölner Bezirksregierung gefragt, wie es sein kann, dass ein seit 2021 nicht mehr zugelassener gesundheitsschädlicher Stoff kilogrammweise in Leverkusen in den Rhein geleitet wird. Fast zeitgleich schicken Currenta und die Kölner Bezirksregierung die haargenau gleiche schriftliche Erklärung. In beiden Antwortschreiben heißt es: „Es trifft zu, das Cyprconazol in der EU seit 2021 nicht mehr zur Verwendung zugelassen ist – dies betrifft allerdings nicht die Produktion und den Export in Nicht-EU-Staaten.“
Die Bezirksregierung erklärt zusätzlich: „Produktionsbedingt gelangt der Stoff ins Abwasser.“ Cyproconazol wird also weiterhin im Leverkusener Chempark hergestellt und in Länder außerhalb der EU exportiert.
Umweltverbände wie der BUND setzen sich seit Jahren dafür ein, dass chemische Stoffe, die in der EU nicht verwendet dürfen, hier auch nicht mehr hergestellt werden.
„Es ist ja nicht nachvollziehbar, dass die EU sagt, das ist zu gefährlich und zu giftig für die Menschen hier und gleichzeitig werden die Giftstoffe über das Abwasser der Produzenten weiter in die Umwelt geleitet“, sagt BUND Experte Kröfges.
Die Produktion und auch die Einleitung von Cyproconazol in den Rhein ist aber legal. Stoppen könnte das nur ein Gesetz. Das ist aber nicht in Sicht. «
Quelle: EXPRESS - Die Woche - 18./19. Juli 2025