Veröffentlicht am: 08.08.2025 um 06:12 Uhr:
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„Märchen“: Der Mann mit Haaren wie Sonnenlicht im Sturm und die Bibel
» Es war einmal in einem fernen, glitzernden Reich, wo goldene Türme in den Himmel ragten und der Klang von Münzen in den Hallen der Macht widerhallte. Dort lebte ein Mann mit Haaren wie Sonnenlicht im Sturm und einer Stimme, die donnerte wie ein Marktschreier auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Er trug stets einen roten Schlips, so lang wie sein eigener Stolz, und sprach oft von Dingen, deren Tiefen er nie ganz durchmessen hatte.
Eines Tages rief das Volk: „Oh Herr der goldenen Paläste, sage uns, was du weißt von dem Buch der Bücher – jenem alten Schatz, den Könige und Bettler gleichermaßen ehren.“ Der Mann lächelte breit, so breit wie seine Schlösser aus Stein und Glas, und sprach: „Ich liebe das Buch. Es ist das beste Buch. Niemand liebt es mehr als ich.“ Doch als man ihn bat, ein Gleichnis zu erzählen oder einen Vers zu nennen, da wich sein Blick aus wie der eines Kindes, das beim Schummeln ertappt wurde.
„Ich mag... beide Teile“, sagte er dann, „den Anfangsteil und... den anderen. Großartige Kapitel. So viele Leute reden darüber.“ Und das Volk runzelte die Stirn, denn niemand hatte je gehört, dass man das heilige Buch so seltsam benannte.
Trotzdem trug er es manchmal wie ein Zepter, hob es hoch wie einen Pokal beim Wettkampf der Meinungen, als könne seine bloße Nähe zu den Seiten ihn mit Weisheit krönen. Und seine treuen Anhänger riefen: „Seht, wie fest er das Buch hält! Ein wahrer Kenner muss er sein!“ Doch die alten Weisen in den Hügeln lächelten still, denn sie wussten: Ein Buch zu halten ist nicht dasselbe wie es zu verstehen.
So lebte er weiter, der Mann mit der goldenen Zunge und dem vergessenen Wissen, und predigte mit Inbrunst von Dingen, deren Ursprung ihm stets ein Rätsel blieb. Und das Märchen erzählt man sich noch heute – von einem König, der die Bibel lobte wie ein Schatz, den er nie ganz gefunden hatte.
Und wenn er nicht gestolpert ist, dann sucht er noch immer nach seinem Lieblingsvers. «